Amsterdam - Die niederländische Bank ABN Amro, die den Börsengang des niederländischen Internet Providers World Online (WOL) am 17. März begleitet hat, weist jede Verantwortung für die danach ausgebrochene große Enttäuschung der Anleger von sich. "Wir hätten nicht anders handeln können, betonte am Mittwoch ABN Amro-Chef Jan Kalff vor Journalisten. Mehrere tausend enttäuschte Anleger haben wegen der Kursentwicklung und wegen umstrittener Aktionen der WOL-Gründerin Nina Brink rechtliche Schritte angekündigt. Das mehrfach überzeichnete WOL-Aktienpaket war in der Erwartung großer Gewinne für die Anleger mit 43 Euro (592 S) an die Börse gekommen. Kurze Zeit stieg der Kurs der Aktie auf 50 Euro, sank aber danach rasch. Am Dienstag wurden WOL noch mit 13,20 Euro gehandelt. Anleger, die in Erwartung schneller Gewinne zum Kauf der Aktien Kredite aufgenommen hatten, haben dadurch erhebliche Schulden gemacht. Viel Aufregung war kurz nach dem Börsengang durch die Mitteilung entstanden, dass Nina Brink einen großen Teil ihrer Aktien schon vor der Börsennotierung verkauft hatte. Nach Ansicht von Anlegern sei diese Information aus dem Zeichnungsprospekt nicht klar zu erkennen gewesen. Kalff bezog sich mit seiner Versicherung auf eine gemeinsame Erklärung von Goldman Sachs und ABN Amro Rothschild als den Koordinatoren des Börsengangs. Sie hätten vor allem den umstrittenen Prospekt noch einmal überprüft, der die Angaben über das Unternehmen enthielt. "Nach unserer Überzeugung hat der Prospekt alle materiellen Informationen akkurat wiedergegeben und den Regeln der Amsterdamer Börse entsprochen", betonten die Banken am Mittwoch. Der Bankchef machte eine "ungebremste Euphorie" unter Anlegern zur Zeit des Börsengangs für die Hektik und die spätere Enttäuschung verantwortlich. Die Bank habe dies schon damals mit Besorgnis verfolgt. "Man glaubte, ohne Risiko viel Geld verdienen zu können", sagte Kalff, "als ginge es um eine Lotterie ohne Nieten". (APA/dpa)