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Michaelle Jean

Foto: REUTERS/Jim Young
Ottawa - Erstmals in der Geschichte Kanadas übernimmt eine Schwarze die Vertretung der britischen Krone in deren ehemaliger Kolonie. Die Journalistin Michaelle Jean (48) war als Kind aus Haiti geflohen und hatte seitdem im Osten Kanadas in der frankophonen Provinz Quebec gelebt.

Einer Umfrage der Zeitung "Globe and Mail" und des Fernsehsenders CTV zufolge sind 46 Prozent aller Kanadier und 71 Prozent der Bürger von Quebec sehr zufrieden mit ihrem neuen "amtierenden Staatsoberhaupt". Besonders große Popularität genießt Jean unter den jungen Leuten, berichtete die Zeitung am Dienstag. Die von Premierminister Paul Martin vorgeschlagene Kandidatin, Mutter einer sechsjährigen Tochter, sollte ihr Amt noch am Abend (Ortszeit) bei einer Zeremonie auf dem Parliament Hill von Ottawa antreten.

Ablöse für Clarkson

Jean löst die gebürtige Hongkong-Chinesin Adrienne Clarkson als Generalgouverneurin von Kanada ab. Mit Clarksons Ernennung vor sechs Jahren hatte der damalige Premier Jean Chretien als erster mit der Tradition gebrochen, den Gesandten von Königin Elizabeth II. nicht aus dem Vereinigten Königreich oder aber den beiden dominierenden Bevölkerungsgruppen zu holen, den Anglo- und den Frankokanadiern.

Wie Jean war auch Clarkson als Flüchtling nach Kanada gekommen. Jean, die sich als "schwarze Frau haitianischer Herkunft und richtige Quebecerin" beschreibt, gilt als überraschend "untraditionelle Repräsentantin" der britischen Monarchie.

Ihr könnte es gelingen, die Abneigung der Provinz Quebec gegen das englische Königshaus zu überwinden, glaubt die Zeitung. Dass der Westen des Landes und seine ältere Bevölkerung - speziell Männer über 45 - der jungen Schwarzen mit französischem Zweitpass eher misstrauisch gegenüberstehen, sei in einem gespaltenen Land wie Kanada kaum anders zu erwarten. (APA/dpa)