Turin - Es gibt Momente, in denen sich Josef Hickersberger geniert. Wenn er sich selbst nicht im Griff hat und er Handlungen setzt, "die nichts mit mir zu tun haben". Ein Beispiel: Es ist ein paar Tage her, als er sich im Hanappi-Stadion jene kleine Leuchttafel schnappte, die Ersatzschiedsrichter dazu verwenden, um die Wechsel anzuzeigen. Hickersberger machte es nicht einmal, sondern fünfmal. Admira schlug Rapid zur Strafe mit 1:0. "Es war peinlich von mir, das Ergebnis hat das zusätzlich verschärft."

Im Sommer hat ihn Vera Russwurm eingeladen, um mit dem Meistertrainer über seinen "Schicksalstag" zu plaudern. Das war natürlich der 12. September 1990 - das 0:1 gegen die Färöer, das Ende seiner ersten Amtsperiode als Teamchef. Gespielt wurde der Beitrag zwischen zwei anderen Schicksalen. Die handelten von Sterbenden. Hickersberger wusste das vorher nicht, hätte es aber ahnen können "Ich habe mich wahnsinnig geniert. Da kämpfen Leute ums Überleben, und ich bejammere ein deppertes Spiel."

Hickersberger fällt es schwer, Nein zu sagen. Da kann ein Journalist vom Hintertupfinger Nachtboten auftauchen, er kriegt sein Interview. Oder es kommt Herr Friedrich Stickler vom ÖFB und redet ihm die EURO 2008 im eigenen Land ein. "Irgendwie wäre mir lieber gewesen, sie hätten sich auf einen anderen Kandidaten geeinigt." Denn dann hätte Hickersberger nicht Ja sagen müssen.

"Rapid ist ein Klub, den man nie freiwillig verlassen darf", sagte er unlängst. "Ich würde nie einen Vertrag brechen." Nun ist er bald weg, die Auflösung des Kontrakts überlässt er dem Präsidenten. Um seinen Prinzipien treu zu bleiben. Familie und Freunde haben ihm davon abgeraten, die Nachfolge Hans Krankls anzutreten, meinten sinngemäß, er solle sein blödes Ego vergessen. Hickersberger neigt aber dazu, dem Reiz des Gegenteils zu erliegen. "Manchmal bin ich wie ein kleines Kind." Und da war ja auch noch der 12. September 1990. (DER STANDARD Printausgabe 28.09.2005))