"Wir haben bis zum Jahr 2000 den Schlaf des typisch österreichischen Softwarehauses geschlafen und erst dann begriffen, dass wir ein Produkt haben, das es woanders nicht gibt", blickt Manfred Winterheller, Chef des gleichnamigen Grazer Softwarehauses, auf die Entwicklung seines 1988 gegründeten Unternehmens zurück. Mittlerweile hat der Spezialist für Planungs-, Analyse-, Reporting und Konsolidierungssoftware längst keinen Schlafsand made in Austria mehr in den Augen, sondern internationale Expansionspläne und beträchtliche Umsatzsteigerungen im Sinn.

"Nicht selbstverständlich"

"Seit 2000 sind wir durchschnittlich um 20 Prozent gewachsen, heuer werden es gar 33 Prozent sein", sagt er. Mit einem Marktumsatz von rund 20 Mio. Euro kann er sich mit Konkurrenten wie Cognos, Hyperion oder Business Objects zwar bei Weitem nicht messen, "aber es ist für ein österreichisches Softwareunternehmen auch nicht selbstverständlich, dass es bei Ausschreibungen in den USA 3000-Mann-Unternehmen verdrängt". Und eine Rentabilität von "nicht unter zehn Prozent" könne sich auch sehen lassen.

Kein Wunder, dass immer wieder Unternehmen und Venture-Capitalists bei ihm anklopfen. "Wir suchen derzeit aber kein Geld, weil wir es einfach nicht notwendig haben", betont der Doktor der Betriebswirtschaft, der auch an der Donau-Universität Krems eine Gastprofessur innehat. 70 Prozent des Unternehmens stehen im Besitz seiner Frau und ihm, mit 15 Prozent ist die österreichische Global Equity beteiligt. Wenn überhaupt käme auch in Zukunft nur ein strategischer Partner infrage. Standorte des Unternehmens sind seit einiger Zeit Graz, Wien und einige Städte in Deutschland. Im März dieses Jahres wurde eine Niederlassung in Paris eröffnet, eine weitere im Juni in Hamburg. "Für das Umsatzplus zeichnen vor allem zahlreiche internationale Kunden wie Nobel Biocare, Hutchison Technologies, Konica Minolta und andere mehr verantwortlich", berichtet Winterheller. Weltweit haben rund 4000 Kunden den Professional Planner des steirischen Unternehmens im Einsatz.

Berechnungen

Diese Softwareplattform für Planung, Analyse, Reporting etc. basiert auf der technologischen Weiterentwicklung von OLAP zu OLCAP. OLAP (Online Analytical Processing) speichert Daten beim Schreiben immer sofort in der Datenbank. Dadurch sind Berechnungen nur eingeschränkt möglich, und Simulationen können nicht in Echtzeit durchgeführt werden. "Der große Schritt in der Weiterentwicklung von OLAP zu OLCAP (Online Calculating and Analytical Processing ) ist die Möglichkeit zu multidimensionalen Berechnungen. Das ermöglicht die Eingabe auf berechneten Werten und macht die Berechnung von z.B. Durchschnittspreisen auch auf aggregierter Ebene erst möglich", erläutert Winterheller.

Doch noch vielmehr als das Software-Know-how schreibt er die erfolgreiche Unternehmensentwicklung seinen "hochleistungsmotivierten" mittlerweile 100 Mitarbeitern zu. "Ihre Motivation ist, dass sie bei uns Erfolg haben dürfen", meint er. Doch ein wenig stellt Winterheller, der sich auch als Managementtrainer einen Namen gemacht hat, mit dieser Aussage wohl sein Licht unter den Scheffel. Von ungefähr kommt es sicher nicht, dass das Unternehmen 2003 zu den Top-100-Arbeitgebern in Europa zählte.

Seelischer Krankenstand

"Mag sein, dass ich ein Unternehmer vom alten Schlag bin, dem es ein Anliegen ist, sich auch über die Arbeit hinaus um seine Mitarbeiter zu kümmern. Ich dulde es nicht, wenn sich bei uns jemand unglücklich fühlt", gibt er Einblick in seinen Führungsstil. Wenn es einem Mitarbeiter aus privaten oder sonstigen Gründen nicht gut ginge, könnten dieser auch einmal eine Woche zu Hause bleiben - wohlgemerkt, ohne Urlaub nehmen zu müssen.

Und vielleicht, fällt ihm dann noch ein, hänge der Erfolg auch damit zusammen, dass fast 50 Prozent der Mitarbeiter Frauen seien. "In einer reinen Männerrunde gäbe es den netten, freundschaftlichen und kooperativen Umgang, der bei uns herrscht, wohl nicht", meint er und fügt bestimmt hinzu: "Ohne Frauen möchte ich nie arbeiten." (Karin Tzschentke, DER STANDARD Printausgabe, 28.09.2005)