Gemeinsam mit seinen europäischen Nachbarn hat sich Österreich 1999 in Bologna das Ziel gesetzt, bis zum Jahre 2010 einen gemeinsamen europäischen Hochschulraum zu schaffen. Der Bologna-Prozess ist die wohl tiefgreifendste Hochschulreform der letzten Jahre. Durch ihn wächst Europa im Hochschulbereich viel stärker zusammen. Kernelement des geplanten gemeinsamen europäischen Hochschulraums ist die Einführung eines gestuften Studiensystems aus Bachelor und Master mit europaweit vergleichbaren Abschlüssen.

29 europäische Bildungsminister manifestierten in der Bologna-Deklaration ihre Absicht, Folgendes zu erreichen:

  • in den europäischen Staaten ein System leicht verständlicher und vergleichbarer Abschlüsse zu schaffen,

  • ein zweistufiges System von Studienabschlüssen (undergraduate/ graduate) zu etablieren,

  • ein Leistungspunktesystem einzuführen (nach dem ECTSModell),

  • die Mobilität durch Beseitigung von Mobilitätshemmnissen zu fördern,

  • die europäische Zusammenarbeit im Bereich der Qualitätssicherung zu unterstützen sowie

  • die europäische Dimension in der Hochschulausbildung zu fördern.

    Zur Überprüfung, ob die sechs fixierten Ziele in den Teilnehmerländern auch erreicht werden, wurde vereinbart, Bologna-Folgekonferenzen abgehalten. Die erste Nachfolgekonferenz zu Bologna fand mit 33 europäischen Unterzeichnerstaaten am 19. Mai 2001 in Prag statt. An der zweiten Folgekonferenz, die am 18. und 19. September 2003 in Berlin stattfand, nahmen mehr als 40 europäische Staaten teil. Die dritte Folgekonferenz hat am 19./20. Mai 2005 in Bergen stattgefunden. Die nächste Konferenz ist in London für 2007 geplant.

    Beim Bologna-Prozess handelt es sich um eine freiwillige Annäherung der Hochschulsysteme Europas und nicht um ein verbindliches Vertragswerk, zu dessen Umsetzung Mitgliedsstaaten verpflichtet sind. Dadurch bleibt es den einzelnen Staaten überlassen, wie sie die Ziele in ihrem Bereich umsetzen.

    Österreich hat auf der gesetzlichen Ebene rasch reagiert: Mit der Novelle 1999 zum Universitäts-Studiengesetz, dem Universitätsgesetz 2002 sowie dem Fachhochschul- Studiengesetz 2002 wurde die Rechtsgrundlage für die Einführung von Bakkalaureatsstudien und Magisterstudien, die Anwendung des ECTS, des Diplomzusatzes (Diploma Supplement), die Einrichtung von gemeinsamen Studienprogrammen verschiedener Universitäten sowie Doppeldiplomprogrammen und aufgewerteten PhDähnlichen Doktoratsprogrammen geschaffen.

    Das Bildungsministerium in Wien begleitet die Umsetzung der Ziele des Bologna-Prozesses mit einem eigenen Monitoring- Projekt, was ein Novum darstellt.

    Zu Jahresbeginn 2004 wurde auch die "Österreichische Qualitätssicherungs-Agentur" AQA gegründet. Das Ziel dieser Einrichtung besteht darin, tertiäre Bildungseinrichtungen in der Umsetzung von Qualitätssicherungsverfahren zu unterstützen, Evaluierungsverfahren zu koordinieren und Standards zur Qualitätssicherung zu erarbeiten. Mit diesen Maßnahmen soll, wie es heißt, der besondere Stellenwert des Bologna-Prozesses in Österreich unterstrichen werden. (DER STANDARD, Printausgabe)