Bagdad - Bei einem Selbstmordanschlag in der Nähe des irakischen Ölministeriums sind am Donnerstag in Bagdad mindestens zehn Menschen getötet worden. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums wurden zehn Menschen verletzt, als ein mit Sprengstoff beladener Kleinbus in einen Kontrollposten vor dem Ölministerium in Bagdad fuhr und explodierte. Unter den Opfern seien auch Angestellte und Wachpersonal des Ministeriums. Am Morgen waren bei einem anderen Selbstmordanschlag in Bagdad acht Menschen verletzt worden.

Bei einem Bombenanschlag auf eine schiitische Moschee südlich von Bagdad sind am Mittwoch mindestens 25 Menschen getötet worden. Weitere 87 wurden nach Angaben der Polizei verletzt. Der Sprengsatz detonierte vor dem Eingang der Moschee in Hilla, als sich die Gläubigen am ersten Tag des Ramadans zum Abendgebet versammelten.

Erst vor fünf Tagen waren in Hilla bei einem Selbstmordanschlag auf einem belebten Markt zehn Menschen getötet worden. Die Gruppe Al Kaida im Irak hatte ihre Anhänger vor dem Ramadan, der für die Sunniten schon am Dienstag begann, zu Anschlägen und Attentaten gegen die schiitische Bevölkerungsmehrheit aufgerufen.

Referendum am 15. Oktober

Im Irak begann unterdessen die Verteilung des Verfassungsentwurfs. Das Parlament verwarf nach internationaler Kritik eine geplante Änderung der Abstimmungsregeln, die der sunnitischen Minderheit eine Ablehnung der Verfassung beim Referendum nächste Woche nahezu unmöglich gemacht hätte. Die von Schiiten und Kurden dominierte Nationalversammlung verwarf die Pläne der Regierung am Mittwoch mit 119 zu 28 Stimmen. Die Vereinten Nationen und die USA begrüßten den Rückzieher.

Für das Referendum am 15. Oktober gelten nun weiter die bisherigen Abstimmungsregeln, wonach die Verfassung nicht in Kraft tritt, wenn in drei der 18 Provinzen jeweils zwei Drittel der Wähler dagegen stimmen sollten. Die sunnitischen Araber stellen in vier Provinzen die Bevölkerungsmehrheit. Die Änderungsvorschläge der Regierung sahen vor, die Zwei-Drittel-Mehrheit auf alle registrierten Wähler zu beziehen, nicht nur auf diejenigen, die ihre Stimme tatsächlich abgeben. Die Nationalversammlung hatte die Änderungen am Sonntag gebilligt.

Boykott wäre schwerer Rückschlag

Regierungssprecher Laith Kubba sagte nach dem Rückzieher des Parlaments, der irakischen Regierung sei die Glaubwürdigkeit der Volksabstimmung wichtiger als deren Ergebnis. Ein UN-Vertreter im Irak sagte, er glaube, dass die Sunniten nunmehr an der Abstimmung teilnähmen. Ein Boykott der Minderheit wäre ein schwerer Rückschlag für den politischen Prozess in dem von Gewalt erschütterten Land.

US-Präsident George W. Bush erklärte in einer Ansprache in Washington, die militanten Islamisten wollten "ganze Länder versklaven und die Welt einschüchtern". Der Irak sei dabei zu ihrer Hauptkampffront geworden. Ihre Ideologie verglich Bush mit dem Kommunismus. Unterstützt würden die Extremisten von arabischen Medien, "die Hass und Antisemitismus säen". Gegen einen solche Feind gebe es nur eine effektive Antwort: "Wir beugen uns nie, geben nie auf und akzeptieren nie etwas anderes als den vollständigen Sieg."