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Der Stieglitz fällt bei einer Ausnahmeregelung zu den bedrohten Singvögel

Foto: APA/ Patrick Pleul
Bad Ischl – Die Haltung der Landes-Grünen in der Diskussion rund um den seit Monaten umstrittenen Singvogelfang im Salzkammergut war stets eine klar ablehnende. Jetzt zwitschern jedoch Brauchtums-Liebhaber aus den eigenen Reihen dazwischen. Die Grünen der Stadtgemeinde Bad Ischl haben in die letzte Gemeinderatssitzung eine Resolution "Für lebendiges Brauchtum und kulturelle Identität im Salzkammergut" eingebracht.

Gefiederte Mediation

Textpassagen in der Resolution bieten dem strikten Nein zum Fang und Ausstellen von Stiglitz, Fichtenkreuzschnabel und Co klar Paroli: ". . . im Zeitalter eines Europas der Regionen gibt gerade ein lebendiges Brauchtum vielen Menschen Halt und Sicherheit. Als Ausdruck einer lebendigen Volkskultur findet sich auch der Vogelfang und die Waldvogelausstellung". Fraktionsobmann Markus Reitsamer sieht das Positionspapier nicht unbedingt als Kritik an den Landesgrünen: "Das wäre übertrieben, wir haben halt eine andere Meinung und gehen einen eigenen Weg. Das hat bei uns Grünen schon Platz", verteidigt sich Reitsamer im STANDARD-Gespräch.

Ziel müsse eine "Win-Win- Situation für Gegner und Voglefänger" sein. Das derzeitige Beharren auf Argumenten sei völlig sinnlos. Der einzige Weg hin zu einem Frieden in der Vogelwelt führt für den Ischler Grünen über eine Mediation. "Was bei Scheidung funktioniert, hilft auch im Singvogelfang-Streit", ist Reitsamer überzeugt.

Landesobmann Rudi Anschober sieht keine Brauchtums-Rebellen in den eigenen Reihen: "Der Druck in der Region auf die Ischler Grünen ist enorm. Die Kernpunkte der Resolution wie die Schaffung einer Rechtssicherheit und die Mediation kann ich unterstreichen. Die Haltung der Landesgrünen ist aber klar: Singvogelfang ist mit dem Tierschutz nicht vereinbar." (Markus Rohrhofer, DER STANDARD Printausgabe 8.10.2005)