Immer mehr Regierungen versuchen, das Internet durch Zensur zu kontrollieren. Kürzlich hat die Menschenrechtsgruppe Freedom House zum 22. Mal die Ergebnisse ihrer jährlichen Studie über den Zustand der Pressefreiheit veröffentlicht. Der Bericht beschreibt die Methoden und Beweggründe sämtlicher Länder der Welt, Internet-Content zu zensurieren und macht auf Gefahren für den weiteren Bestand der Medienfreiheit aufmerksam. Der Studie namens "Censor Dot Gov: The Internet and Press Freedom 2000" zufolge verwenden Regierungen mehrere Methoden, um den Zugang zu Informationen zu beschränken. Entweder sie wenden eigens für das Internet ersonnene Regelungs- und Zulassungsverfahren an, übertragen existierende Presse- und Rundfunkgesetze auf das World Wide Web, filtern Internet-Inhalte durch die Kontrolle von Servern oder sie zensurieren elektronischen Content nach seiner Verbreitung. Leonard Sussman, Koordinator der Studie, schrieb in einem den Bericht begleitenden Essay: "Die Unabhängigkeit des Internet wird immer mehr zum Test darüber, ob Regierungen die Freiheit der Medien tatsächlich fördern wollen." Manche Regierungen wollen ihre Bevölkerungen vor staatsfeindlichen Ideen schützen, andere wiederum zensurieren das Internet, um die moralischen Werte ihrer Kultur aufrechtzuerhalten. Der Bericht weist auch darauf hin, dass nicht nur Länder, in denen Pressefreiheit traditionell noch nie völlig gegeben war, das Internet zu kontrollieren versuchen. 1996 versuchte die Clinton-Regierung, Pornographie aus dem World Wide Web zu verbannen, scheiterte damit aber am Obersten US-Gerichtshof. Anlässlich des Welttages der Pressefreiheit, der am 3. Mai stattfinden wird, stellten die Herausgeber des Berichts fest, dass 63 Prozent der Regierungen weltweit Journalisten an freier Arbeit hindern und 80 Prozent der Weltbevölkerung in Ländern lebt, in denen Pressefreiheit nicht gegeben ist. In nur 69 Ländern kann die Medienlandschaft als frei angesehen werden. (pte/wired)