Wien - Georg Stumpf, Benjamin der österreichischen Immobilienszene, orientiert sich um: Der Erbauer des Millenniums-Towers, wird sich in Zukunft "zu hundertzwanzig Prozent" seinem Telekommunikationsunternehmen MCN widmen, das noch in diesem Jahr an einer europäischen Wachstumsbörse gelistet wird. "Wir wollen eine führende Multimedia-Company in Mitteleuropa werden", lautet das ehrgeizige Ziel des erst 27-jährigen Juniorchefs der Stumpf-Gruppe. Die Führung der Immobilien-Agenden gibt Stumpf ab, einen Verkauf des Landmark-Projekts Millennium-Tower will Stumpf nicht ausschließen, dies stünde derzeit freilich nicht zur Diskussion. "Eindeutig Telekommunikation", lautet wie aus der Pistole geschossen Stumpfs Antwort auf die Frage nach seinem Kerngeschäft. Ob die milliardenschweren Investitionspläne der "Millennium Communication Network" ihn nicht zu einem Verkauf des Immobilienbereiches geradezu erzwingen? Nicht notwendigerweise meint Stumpf, die Unternehmensgruppe bleibe weiter im Immobiliengeschäft tätig. Er "klebe nicht ideologisch an einem Projekt", auch nicht, wenn es sich um ein städtebauliches Leitprojekt wie die Millennium City handle. Nach der Fertigstellung des dem Tower benachbarten Entertainment Centers, die für diesen Herbst erwartet wird, soll es mit den Megaprojekten zunächst zu Ende sein, denn: "Der Wiener Markt für Büroflächen wird in den nächsten drei bis fünf Jahren eine Pause einlegen." "Zwei bis drei Abwicklungsprojekte, nicht aber vergleichbare Landmark-Investments" stünden in den kommenden Jahren an, sagte Stumpf im Gespräch mit der APA. Stumpfs Funktionen im seinem Immobilienreich rund um die beiden Leitgesellschaften Osmin Projekt AG und Aurora Bauprojekt GmbH. nimmt Rainer Deichstetter ein, der vom Innsbrucker Ingenieur- und Architektenbüro Achammer, Tritthart & Partner gekommen ist. Die Immobilien und Bauaktivitäten mit einem Projektvolumen von 1,5 Mrd. S (109 Mill. Euro) soll Bernardo Toccafondi, der von der Bautochter Voitl & Co. kommt, übernehmen. Statt physische Hochhäuser will Stumpf künftig Multimedia-Wolkenkratzer bauen. Die Zielvorstellungen, mit denen Stumpf seinen neuen Geschäftsbereich beschreibt, gehen nämlich weit über das klassische Bild eines Telekommunikationsbetriebes hinaus: "Webfarming" und "Serverhousing", Software-Services und lukrative Dienstleistungen selbst für Großbetriebe wird die MCN in Zukunft anbieten, sagt Stumpf. Das Unternehmen solle sich aus der Telekommunikation über Internet-Dienstleistungen in den E-Commerce fortentwickeln. "Dort liegt das größte Stück an der Wertschöpfungskette", meint der studierte Betriebswirt. Hier und nicht auf dem heiß umkämpften Markt der Telekom-Basisangebote läge das Potenzial. Und selbstverständlich in den osteuropäischen Hoffnungsmärkten, in die MCN vorerst mit den Geschäftsfeldern Internet-Providing und internationaler Telefonie expandiert - in diesen Wochen nach Tschechien, Ungarn, Slowenien und Kroatien. Wird dort die Sprachtelefonie liberalisiert, habe MCN bereits den Fuß im Markt, sagt Stumpf, der trotz dichter Konkurrenz auch noch in Österreich ein "enormes Potenzial" ortet - beispielsweise auf dem ADSL-Markt. (APA)