Wien - Eine "prophetische Frauen-Mahnrede wider die Resignation" wurde am Freitag am Wiener Stephansplatz im Rahmen einer Kundgebung feministischer Christinnen verlesen. Hauptinhalt der "Mahnrede" war der Protest gegen Maßnahmen der neuen Regierung, die die Entsolidarisierung und die Aushöhlung der Demokratie forciere. So wurden die Subventionskürzungen für soziale, kulturelle, entwicklungspolitische und Frauen-Projekte kritisiert. Mit der derzeitigen Privatisierungswelle entziehe sich der Staat seiner sozialen Verantwortung und überantworte Gerechtigkeit dem Markt, hieß es ebenfalls in der Rede, die Teil einer vom "Österreichischen Frauenforum Feministische Theologie" und der "Österreichischen Frauensynode" veranstalteten Protestaktion war. Am Rande der Kundegebung sagte die prominente deutsche evangelische Theologin Dorothee Sölle, sie sei froh, hier ein "Stück anderes Österreich" zu erleben. Sie würde sich noch mehr Widerstand gegen die globale Entsolidarisierung durch einen ungehemmten Neoliberalismus wünschen, dem letztlich auch die derzeitige Koalition in Österreich huldige. Gegenüber den EU-Sanktionen äußerte sich Sölle skeptisch, man wisse nicht, wem diese helfen sollten. Allgemein trat Sölle für eine "andere Politik" ein, die auch eine spirituelle Grundlage brauche. (APA)