München - Frauen, die ihre Brust vergrößern lassen wollen, sehen sich mit einem verwirrenden Angebot konfrontiert. In den vergangenen Jahren wurden neue Verfahren und Materialien entwickelt, und jeder Arzt schwört auf eine andere Methode. Zuletzt wurde die Brustvergrößerung mit körpereigenem Fettgewebe als spektakuläre Neuentdeckung gefeiert, und viele Schönheitschirurgen halten sie nach wie vor für die natürlichste Lösung. Doch die Vereinigung der deutschen plastischen Chirurgen warnt in der Online-Ausgabe des "Deutschen Ärzteblatts": Durch die toten Fettzellen bildeten sich Geschwülste und Kapseln, die im Laufe der Zeit verkalkten. Dies könne bei einer Röntgenuntersuchung zu einer irrtümlichen Krebsdiagnose führen. "Außerdem halten Brüste aus Eigenfett meist nicht lange", sagt die Vizepräsidentin der Deutschen Gesellschaft ästhetisch-plastischer Chirurgen, Constance Neuhann-Lorenz. Aber das Prädikat "natürlich" lasse sich eben gut vermarkten. Neuhann-Lorenz setzt wie die meisten Mitglieder des Berufsverbandes auf Silikon. Behauptungen, der Kunststoff rufe Brustkrebs, Rheuma und Immunerkrankungen hervor, hätten sich nicht bewahrheitet. Der Berliner Chirurg Sasha Dunst verwendet nur in Ausnahmefällen andere Materialien. Wenn er den Patientinnen mehrere Implantate zur Auswahl vorlege, tippe jede auf das Silikonkissen, berichtet er. Es komme dem natürlichen Brustgewebe am nächsten. Die internationale Selbsthilfegruppe silikongeschädigter Frauen fordert dagegen nach wie vor ein Verbot solcher Implantate. "Die Mitglieder dieser Gruppe haben wahrscheinlich einen Schuldkomplex oder sind von ihrem Arzt schlecht behandelt worden", meint Neuhann-Lorenz. Richtig sei, dass die Implantate bei jeder zehnten Frau eine Kapselfibrose hervorriefen. Eine Verdickung des Narbengewebes schiebe das Implantat nach oben, die Brust verhärte sich. Bei einer Vergrößerung in normalem Umfang sei das Risiko aber gering. Größere Brüste als "Körbchen B bis C" lehne sie als Ärztin meist ab. "Riesenbusen werden meistens von männlichen Chirurgen gemacht." Die 24-jährige Bankerin Carmen wünschte sich einen solchen Busen. In einer Münchner Privatklinik ließ sie ihre Brüste mit Silikon auf Körbchengröße D vergrößern. Unmittelbar nach dem Eingriff verrutschte das Implantat, eine Ecke hing unter dem Brustmuskel heraus. Sie habe einen BH tragen und die Brust regelmäßig mit den Händen nach oben drücken müssen, berichtet sie. Nach drei Wochen sei die Öffnung zugewachsen. Alle ihre Freundinnen hätten sich die Brüste aufpolstern lassen, sagt Carmen. "Wir haben das nicht für die Männer, sondern für uns selbst gemacht. Man hat viel mehr Spaß mit einem großen Busen." Ein derartiger Eingriff kostet 40.000 bis 110.000 Schilling. Haut- oder Frauenärzte verlangen teilweise weniger als spezialisierte plastische Chirurgen. Weil Silikongel Röntgenstrahlen kaum durchlässt und die Krebsvorsorge erschwert, werden Implantate manchmal mit Hydrogel gefüllt. Hydrogel ist in den USA schon länger gängig. In Deutschland werden bisher nur etwa 150 Implantate pro Jahr eingesetzt. "Das Gel kommt dem Silikon vom Aussehen und Feeling her nicht gleich", meint Dunst. Andere Hersteller füllen die Implantate mit Kochsalzlösung. Diese wird - im Gegensatz zu Silikon - vom Körper problemlos abgebaut. Aber das Wasser "verschwindet im Laufe der Zeit auf Nimmerwiedersehen ins Gewebe", wie der Chirurg Claudius Ulmann aus Bad Neuenahr sagt. Die Brüste würden mit der Zeit immer kleiner. Wenn das Implantat nicht mehr vollständig gefüllt sei, beginne die Flüssigkeit bei jeder Bewegung zu gluckern. Zudem fühlten sich die Implantate noch unnatürlicher an als Hydrogel. Noch nicht lange auf dem Markt ist ein festes Silikongel, das praktisch nicht mehr aus dem Implantat austreten kann. Der letzte Schrei sind tropfenförmige Implantate mit diesem Gel. "Natürlicher geht es gar nicht", sagt eine 29-jährige Sekretärin, die sich ihre Brust damit aufpolstern ließ. "Wenn mein Busen von selbst gewachsen wäre, dann hätte er garantiert genau so ausgesehen." Irgendwann wird aber keine Operation mehr notwendig sein, um Frauen den Wunsch nach einer größeren Brust zu erfüllen: Derzeit versuche man in den USA, durch einen Eingriff in den Insulin-Stoffwechsel Fettgewebe in der Brust wachsen zu lassen, sagt Neuhann-Lorenz. In Tierversuchen sei dies bereits geglückt. (AP)