Zeitgeschichte für ein breites Fernseh-Publikum

wurde im heurigen Jubiläumsjahr vor allem in Doku-Form aufbereitet. Mit der fünfteiligen Reihe "Mutig in die neuen Zeiten" will der ORF das Thema Zweite Republik aber auch im 90-minütigen Spielfilmformat würdigen. Der erste, in sich abgeschlossene Teil mit dem Titel "Im Reich der Reblaus" spielt Mitte der 50er Jahre, in den Hauptrollen sind unter anderem Nina Proll und Roland Düringer zu sehen.

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"Eine hervorragende Besetzung",

freute sich bei der Präsentation am Donnerstagabend ORF-Programmdirektor Reinhard Scolik, der zugleich die "akribische Arbeit" von Regisseur und Drehbuchautor Harald Sicheritz lobte.

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Seit Herbst 2003 arbeitete Sicheritz an der Reihe,

die eine Koproduktion mit dem Kultursender Arte ist. "Die Recherche war wirklich eine bewegte Zeitreise", sagte er. Er sei bemüht gewesen um ein "möglichst breites soziales Spektrum, denn nur so kann ein brauchbares Bild der Zeit entstehen. Und so marschiert im "Reich der Reblaus" ein üppiges Figureninventar auf:

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Eine alleinerziehende Schneiderin,

ein deutschnationaler und ein liberaler Adeliger, eine bürgerliche, nach Österreich heimgekehrte jüdische Familie, ein verschlagener Nachkriegsgewinnler, amerikanische und russische Besatzungssoldaten, ein Heimkehrer, Kommunisten, Altnazis und viele andere Gestalten.

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Dargestellt werden sie von vielen bekannten Gesichtern,

neben Proll und Düringer stehen August Zirner, Helmut Berger, Johannes Silberschneider, Maria Köstlinger, Adele Neuhauser, Fritz Karl, Erwin Steinhauer, Matthew Settle und Wolfgang Böck vor der Kamera - um nur einige zu nennen. Die Fülle an Charakteren trägt bei zu einem detailreichen Sittenbild der 50er Jahre in Österreich, geht allerdings mitunter zu Lasten der Handlung, die in der ersten Hälfte nicht so recht anlaufen mag. Die Figuren indes leiden ein wenig unter ihrer Aufgabe, vor allem (Nachkriegs-)Typen und nicht Personen zu verkörpern.

Doch den Anspruch, "Unterhaltung mit Haltung"

(ORF-Fernsehfilmleiter Heinrich Mis) zu machen, hat Sicheritz schon mit dem ersten Teil der ambitionierten Hochglanz-Reihe eingelöst. Der ORF lässt sich das laut Solik zwei Millionen Euro pro Folge kosten. "Im Reich der Reblaus" wird am Nationalfeiertag (26. Oktober) um 20.15 in ORF 2 gezeigt. Teil zwei - und möglicherweise auch gleich Teil drei, was die Kosten verringern würde - soll nächsten Sommer gedreht werden. Schon im November geht mit der zehnteiligen Serie "11er-Haus" eine weitere Zeitgeschichte-Produktion, bei der das Jubiläum "50 Jahre Fernsehen" im Zentrum steht, auf Sendung. Regie führte wieder Sicheritz, das Buch stammt von Alfred Dorfer.

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Zum Abschluss der Präsentation

am Donnerstagabend hatte Sicheritz für das Premierenpublikum noch eine lehrreiche Überraschung parat: Woher stammt das Zitat "Mutig in die neuen Zeiten"? Es handelt sich um eine Zeile der österreichischen Bundeshymne - allerdings in der dritten Strophe. Dass diese wohl nur wenigen geläufig ist, bewies das Raunen im Saal angesichts dieser Enthüllung des Regisseurs. (APA)

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