In Österreich ist die Zahl der Neuinfektionen in diesem Jahr gesunken (siehe nebenstehenden Artikel), doch fast überall in Europa verzeichnet Unaids, ein Gemeinschaftsprojekt der UNO und der WHO, Zuwächse bei den HIV-Infektionen.

Besonders in Osteuropa steigen die HIV-Raten dramatisch. Zwischen 2002 und 2004 wuchs dort die Zahl der positiv getesteten Menschen von einer Million auf rund 1,4 Millionen an. In Lettland stieg die Zahl der HIV-Positiven seit 1999 um das Fünffache. Estland vermeldete 2003 zwölf Fälle, Ende 2004 waren es bereits 840. Die zahlenmäßig größten HIV-Epidemien in Europa verzeichnet Unaids in Russland und der Ukraine. Presseberichten zufolge liegt die HIV-Rate der russischen Exklave Kaliningrad auf dem Niveau von Uganda.

Virus wieder auf dem Vormarsch

Auch in Mitteleuropa ist das Virus wieder auf dem Vormarsch. EUROHIV vermeldet steigende Neuansteckungsraten in Belgien, Dänemark, Schweden, der Schweiz, Großbritannien und Irland.

Dabei ist Aids in unseren Breiten längst kein Phänomen mehr, das sich auf die Schwulen- oder Drogenszene konzentriert. In den zwölf westeuropäischen Staaten haben sich zwischen 1997 und 2002 die Ansteckungen durch heterosexuellen Geschlechtsverkehr um 122 Prozent erhöht.

Mehr Heterosexuelle

2003 wurden in Deutschland 41 Prozent der Neuansteckungen auf heterosexuellen Kontakt zurückgeführt, in Großbritannien waren es 49 Prozent, in Frankreich rund zwei Drittel aller Ansteckungen. Österreich wird in der Statistik der Unaids nicht explizit erwähnt. Laut Gesundheitsministerium kam es in Österreich 2004 zu 65 Aidserkrankung (nicht zu verwechseln mit Neuinfektionen). Zwölf dieser Erkrankungen konnten auf homosexuellen Kontakt zurückgeführt werden, 28 auf heterosexuellen.

Weltweit leben fast 40 Millionen Menschen mit dem HI-Virus. Jedes Jahr sterben mehr als drei Millionen an der Immunschwächekrankheit. (ran/DER STANDARD; Printausgabe, 17.10.2005)