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Zwettler gilt als hervorragender und exzellent vernetzter Finanzmann.

Foto: APA/Artinger
Wien - Johann Zwettler kann sich vor Interview-Anfragen aus dem In- und Ausland in diesen Tagen kaum retten. Der 64-jährige Gewerkschafts-Spitzenbanker ist seit dem Frühjahr 2003 für die Geschicke der aktuell in die "Refco-Affäre" involvierten BAWAG verantwortlich.

Wie bereits sein Vorgänger Helmut Elsner (70) hat Zwettler nach seinem Eintritt in die Gewerkschaftsbank Mitte der 60er Jahre als BAWAG-"Urgestein" praktisch sein gesamtes Berufsleben in dieser Bank verbracht. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger sei er ein "Zahlenmensch", Elsner ein "Kundenmensch", sagte Zwettler in einem Magazin-Interview über sich selbst. Zwettler kam von der Revision, gilt schon seit Jahren als die "graue Eminenz in der roten Gewerkschaftsbank".

Der in Wien als Sohn eines Postbeamten geborene BAWAG P.S.K.-Generaldirektor wurde 2002 vom Präsidium des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB), dem Alleineigentümer BAWAG P.S.K.-Gruppe, einstimmig zum Nachfolger des in den Ruhestand tretenden Elsner designiert. Es werde damit einmal mehr die Linie fortgeführt, entscheidende Positionen "aus dem Haus heraus" nachzubesetzen, so der ÖGB damals.

1966 in die BAWAG eingetreten

Zwettler schloss 1964 sein Studium an der Hochschule für Welthandel in Wien in den Spezialfächern Revision- und Treuhandwesen ab. 1965 und 1966 war er im Rechnungswesen in der Industrie tätig. 1966 ist der Vater eines Sohnes in die BAWAG eingetreten, wo er als versierter Kredit-, Revisions-, Beteiligungs- und Bilanzexperte seit 1995 im Vorstand sitzt. Bis zum Erwerb der P.S.K. im Jahr 2000 war Zwettler auch für die Bundesländer Niederösterreich und Oberösterreich sowie für die Betreuung des Sozialversicherungssektors zuständig.

Zwettler gilt als hervorragender und exzellent vernetzter Finanzmann. Schon bei den großen Brocken vor Refco - Karibik-Geschäfte, Konsum-Ausgleich - zog er leise die Fäden in großen Kreditfragen. "Bescheidenheit und Zurückhaltung" sind Eigenschaften, die ihm Vorstandskollegen in- und außerhalb des Hauses bescheinigen, allerdings sitze er auch an wichtigen Hebeln der wirtschaftlichen Macht.

War der Erwerb der Österreichischen Postsparkasse (P.S.K.) im Sommer 2000 um 17,8 Mrd. S (1,3 Mrd. Euro) von der staatlichen ÖIAG der größte Coup seines Vorgängers, stellte für Zwettler der Ausbau des Ostgeschäftes zumindest bisher das wichtigste Thema dar. (APA)