Graz – Der Verlust der Mehrheit im Landesparlament löst in der steirischen ÖVP jetzt einen ruppigen Kampf um die verbliebenen Mandate aus. Da offensichtlich eine Wahlniederlage nicht wirklich einkalkuliert wurde, steht die Landtagsriege beinahe ohne Frauen da. "So ist es", sagt Klubchef Christopher Drexler.

Von den 24 ÖVP-Landtagssitzen werden nur zwei von Frauen besetzt. Es sind dies die beiden Alt-Mandatarinnen Walpurga Beutl, 59, bisher dritte Landtagspräsidentin, sowie die 71 Jahre alte Behindertensprecherin Anne-Marie Wicher. Der große Rest, 22 Mandate, werden von Männer besetzt.

Beim Gerangel um die VP- Landtagssitze geht es aber nur vordergründig um eine Anhebung des Frauenanteils, vielmehr um eine "Bestrafung" zweier Politiker – Landesgeschäftsführer Andreas Schnider und Noch-Wirtschaftslandesrat Gerald Schöpfer –, die Noch-Parteichefin Waltraud Klasnic nahe stehen und denen eine Mitschuld am Wahldebakel angelastet wird.

Schnider und Schöpfer wurden in den letzten Tagen mehr oder weniger freundlich zum Mandatsverzicht aufgefordert. Beide denken aber nicht daran, dem Druck nachzugeben. Schnider: "Ich werde sicher nicht auf eine Mandatsausübung verzichten." Er werde ohnehin seine Funktion als Landesgeschäftsführer zurücklegen. Auch Schöpfer beharrt auf seinem Mandat. Schöpfer zum Standard: "Ich werde das Mandat mit großer Freude annehmen. Man kann mich nicht zwingen. Ich soll ja eigentlich nur deshalb verzichten, weil ich nicht im Wirtschaftsbund bin. Man hat mir gedroht, mich medial zu verfolgen, aber da ist man bei mir beim Falschen. Man soll lieber aus Vergangenem lernen. Die beschlossene Mandatsliste nicht zu akzeptieren wäre demokratiepolitisch sehr bedenklich."

Unter Druck wird neben Schöpfer und Schnider auch der ehemalige Bundesratspräsident und engste Klasnic-Berater Herwig Hösele gesetzt. Er soll als Bundesrat nicht mehr nominiert werden. Hösele wird von großen Teilen der Partei ein Gutteil der Schuld am Debakel zugemessen. Er habe mit strategischen Fehlentscheidungen und fataler Beratungspolitik die Niederlage wesentlich mitverschuldet, heißt es. Hösele gilt aber als "Überlebenskünstler", der schon die Niederlage mit Josef Krainer, dessen Berater er ebenfalls war, verdaut hatte. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.10.2005)