Wien - Neue, für Menschen in Entwicklungsländern leistbare Medikamente fordert die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen in einer neuen Kampagne. "Viele der Krankheiten, die in den Entwicklungsländern eine große Gefahr für die Menschen darstellen, werden von den Pharmaunternehmen kaum wahrgenommen", sagt Anton Petter, Vorstandsmitglied von Ärzte ohne Grenzen. So werde zum Beispiel die in Afrika verbreitete Infektionskrankheit Kala Azar oft mit Medikamenten aus den 40er-Jahren behandelt.

"Eines der Hauptthemen unserer neuen Kampagne ist deswegen die Investition in die Forschung für vernachlässigte Krankheiten", erklärte Petter. Medikamente müssten aber auch leistbar sein, was man vorwiegend durch mehr Wettbewerb und die Produktion von Generika erreiche. Weiters sei eine nachhaltige Unterstützung von multilateralen Finanzierungsinstitutionen wie dem Global Fund zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria unumgänglich. "Aber Österreich hat nach einer Zahlung im Jahre 2002 in den vergangenen zwei Jahren kein Geld mehr für diesen Fonds zur Verfügung gestellt", so Petter.

Dabei könne gerade ein Land wie Österreich viel zur Meinungsbildung beitragen. Eine besonders wichtige Rolle werde der EU-Vorsitz Österreichs spielen. Allerdings sei noch kein Engagement vonseiten der Regierung zu erkennen obwohl auf EU-Ebene schon zahlreiche Initiativen gesetzt würden. Darum will Ärzte ohne Grenzen nun durch eine Postkarten-Aktion Bundeskanzler Schüssel von der Wichtigkeit dieser Anliegen überzeugen. (mo, DER STANDARD - Printausgabe, 21. Oktober 2005)