London/Brüssel - Die österreichische EU-Präsidentschaft wirft ihre Schatten voraus: Heute, Montag, wird Bundeskanzler Wolfgang Schüssel in seiner Eigenschaft als künftiger EU-Ratsvorsitzender am Sozialgipfel in London teilnehmen. Der Zweck des Treffens im Vorfeld des eigentlichen EU-Gipfels der Staats-und Regierungschefs, zu dem Schüssel am Donnerstag erneut nach Großbritannien reisen wird, ist ein Austausch mit den Sozialpartnern. Bei beiden Gipfeltreffen geht es um die Auswirkungen der Globalisierung, um Wettbewerbsfähigkeit, Reformen und das europäische Sozialmodell.

Österreicher präsent

Der Sozialgipfel am Montag wird vom derzeitigen Ratspräsidenten, dem britischen Premierminister Tony Blair, und EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso geleitet. An dem Treffen nehmen auch Vertreter des europäischen Industrie- und Arbeitgeberverbandes sowie des Dachverbands der europäischen Gewerkschaften. Österreichischer sind überdurchschnittlich gut vertreten: Schüssel wird von Wirtschaftsminister Martin Bartenstein und Sozialministerin Ursula Haubner begleitet, auf der Seite der Sozialpartner treffen sie auf den Generalsekretär der Industriellenvereinigung, Markus Beyrer, und den Präsidenten des österreichischen Gewerkschaftsbundes, Fritz Verzetnitsch.

Für Verzetnitsch, der auch Vizepräsident des Europäischen Gewerkschaftsbundes ist, ist "die Balance zwischen Sozialem und Wirtschaft in der EU in eine Schieflage gekommen". Er sieht die EU-Kommission unter Barroso als "einseitig wirtschaftsorientiert" und fordert eine Einigung auf Sozialstandards.

Schüssel trifft sich vor dem Sozialgipfel mit seinem finnischen Amtskollegen Matti Vanhanen. Finnland übernimmt von Österreich 2006 die EU-Präsidentschaft. Ob es auch zu einem Einzelgespräch Schüssels mit Blair kommt, war am Wochenende offen. (Alexandra Föderl-Schmid/DER STANDARD, Printausgabe, 24.10.2005)