Die Verurteilung einer norwegischen Zeitung wegen eines kritischen Berichts über misslungene Schönheitsoperationen ist ein Verstoß gegen das Grundrecht auf Meinungsfreiheit. Zu diesem Schluss kam der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg in einem am Dienstag gefällten Urteil. Das Gericht gab damit der in Bergen erscheinenden Tageszeitung "Bergens Tidende", ihrem ehemaligen Chefradakteur und einem Reporter Recht. Die Regierung in Oslo wurde angewiesen, der Zeitung umgerechnet rund 9,43 Millionen Schilling (685.131 Euro) Schadenersatz zu zahlen, die beiden Journalisten sollen jeweils etwa 84.000 Schilling erhalten. Der Zeitungsverlag und die heute 67 und 55 Jahre alten Journalisten waren 1994 nach der Klage des in dem Artikel kritisierten Schönheitschirurgen verurteilt worden. Die norwegische Justiz räumte zwar ein, dass der Bericht im Großen und Ganzen der Wahrheit entsprach. Dennoch verhängte der höchste Gerichtshof des Landes gegen den Verlag und die Journalisten Geldbußen wegen Rufschädigung in Höhe von zusammen mehr als sieben Millionen Schilling. Dagegen legten die Verurteilten Beschwerde beim Straßburger Gerichtshof für Menschenrechte ein. Der Gerichtshof stellte fest, dass der fragliche Artikel in korrekter Weise die Zeugenaussagen von mehreren betroffenen Frauen widergab. Insofern sei die Verurteilung der Zeitung und der Journalisten ungerechtfertigt gewesen. Der Gerichtshof für Menschenrechte hat die Aufgabe, die Einhaltung der Europäischen Menschenrechtskonvention zu überwachen. Seine Urteile sind für die Unterzeichner dieser Konvention, zu denen Norwegen gehört, bindend. (APA)