Berlin - Rund 350 islamistische Demonstranten haben in Berlin am so genannten Al-Quds-Tag (Jerusalem-Tag) gegen die Politik Israels und der USA protestiert. Zum Auftakt der Demonstration am Samstagmittag zogen sie in Richtung Berliner Innenstadt. Die Kundgebung hatte durch die israelfeindlichen Äußerungen des iranischen Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad an Brisanz gewonnen. Den Demonstranten, darunter vielen Frauen und Kindern, war verboten worden, Fahnen oder Puppen zu verbrennen oder gewaltverherrlichende Schriften mit sich zu führen.

Rund 200 Einzelpersonen und Organisationen hatten zu einer Gegenkundgebung aufgerufen, darunter FDP-Generalsekretär Dirk Niebel, die Linkspartei-Abgeordnete Petra Pau und der Präsident des Zentralrats der Juden, Paul Spiegel.

Die Berliner Behörden hatten die Auflagen nach den Äußerungen Ahmadinejads noch einmal verschärft. Der iranische Präsident hatte in den vergangenen Tagen mehrfach gefordert, Israel müsse von der Landkarte getilgt werden.

Deutsche Moslems verurteilen Äußerungen Ahmadinejads

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland hat die Drohungen des iranischen Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad verurteilt, Israel zu vernichten. "Diese Aussage ist inakzeptabel und schadet bei der Suche nach Lösungen für die Konflikte im Nahen Osten", sagte der Zentralratsvorsitzende Nadeem Elyas gegenüber der Zeitung "Bild am Sonntag".

Die Moslems in Deutschland erwarteten von jedem Staat, dass er das Völkerrecht akzeptiere und die Lebensrechte anderer Staaten achte. "Das gilt sowohl für Israel in Bezug auf das palästinensische Volk als auch für den Iran in Bezug auf Israel", sagte Elyas.

Gegendemonstration mit 180 Personen

Gleichzeitig versammelten sich knapp 180 Gegendemonstranten, darunter der Grünen-Vorsitzende Reinhard Bütikofer, der DGB-Vorsitzende Michael Sommer und die PDS-Politikerin Petra Pau. Beide Veranstaltungen gingen ohne Zwischenfälle zu Ende. Die Polizei hielt die Gruppen auseinander.

Alle Auflagen werden beachtet

Zudem beachteten die islamischen Demonstranten Polizeiangaben zufolge alle Auflagen. So seien keine Plakate mit unerlaubten Parolen entdeckt worden. Stattdessen waren Slogans zu lesen, in denen "jede Art von Terror und Gewalt" verurteilt wurde. DGB-Chef Sommer erklärte bei der Gegendemonstration, die anti-israelische Veranstaltung sei in letzter Konsequenz "ein Aufruf zum Völkermord".

Massendemonstrationen für die "Befreiung" Jerusalems

Die organisierten Massendemonstrationen für die "Befreiung" Jerusalems (arabisch: "al-Quds") finden seit der iranischen Revolution immer am letzten Freitag im Fastenmonat Ramadan statt, den der verstorbene Revolutionsführer Ayatollah Khomeini zum Gedenktag für die Palästinenser erklärt hatte.

Der frühere iranische Revolutionsführer Ayatollah Ruhollah Khomeini hatte erstmals 1979 zu Kundgebungen am "Al-Quds-Tag" aufgerufen. In Berlin gibt es diese Veranstaltungen seit 1995. Im vergangenen Jahr nahmen rund 800 Menschen teil, die Kundgebung verlief friedlich. (APA/AP)