Die frisch liberalisierten Telekommärkte in Europa sollen mittelfristig dereguliert werden. Beim EU-Telekomrat in Brüssel verständigten sich die zuständigen Minister am Montag darauf, dass ab einem bestimmten Stadium das allgemeine EU-Wettbewerbsrecht auch für den Telekommunikationsmarkt gelten sollte. Die EU-Kommission will bis Juni einen gemeinsamen Ordnungsrahmen vorlegen. Dabei sollen die nationalen Regulierungsbehörden nicht mehr wie bisher beim Marktanteil von 25 Prozent eines Unternehmens eingreifen müssen, sondern flexibler reagieren können. Unter allgemeinem Wettbewerbsrecht greift die Kartellbehörde erst bei einer Marktmacht von 50 Prozent ein, um eine Monopolbildung zu verhindern. Sie kann dann Auflagen zur Preisgestaltung und Kostentransparenz machen. Die Europäische Union brauche einen gemeinsamen Ordnungsrahmen, "wenn Europa auf dem globalsten aller Märkte eine Rolle spielen will", hieß es. Das zeige sich auch bei der Vergabe der UMTS-Lizenzen für die neue Handy-Generation. Einige EU-Staaten, die die begehrten Lizenzen nicht wie Großbritannien und Deutschland in einer Auktion vergeben wollten, hatten nun Interesse an einer Versteigerung angedeutet. Mosdorf wollte die Staaten nicht nennen, sprach aber von "schönen EU-Urlaubsländern". Bisher haben sich etwa Frankreich und Spanien gegen eine Lizenz-Auktion ausgesprochen. Mitbietende Firmen kündigten bereits an, dass sie wegen Wettbewerbsverzerrungen in den EU-Mitgliedsstaaten die EU-Kommission anrufen wollten. Der Telekommarkt in der EU soll bis Ende 2001 dem Wettbewerbsrecht der Gemeinschaft unterliegen. Mosdorf sagte, das schließe eine weitere Überwachung von Seiten der Regulierungsbehörden nicht aus. Langfristig müssten diese jedoch abgeschafft werden. (APA)