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Salif Keita

Foto: APA/EPA/NIC BOTHMA
Wien – "This is African music." Also sprach Salif Keita, und es ward Freude im Saal. Erstaunlich geschlossen erhob sich das Publikum vom klassisches Sitzfleisch gewohnten Gestühl, und selbst fortgeschrittenere Semester in nobler Abendrobe wiegten sich fortan verwegen in den mitreißenden Rhythmen.

Mit wenigen Worten, verhaltenem Auftreten und vor allem mit großer Stimme fungierte Keita als Zentrum einer hochprofessionellen Show. Gemeinsam mit Schlagzeuger Mino Cinelu entwarf er eine filigrane, und doch vitale, treibende Ensemblestruktur. Die Klänge der Harfe (Kamele N'Goni), von westafrikanischen Gitarrenpatterns, E-Bass und Perkussion klinkten sich da zu einem dichten rhythmischen Netz ineinander, um so den Wechselgesängen von Solo- und Backgroundvocals sowie Improvisations- und Tanzeinlagen eine Basis zu geben.

Vor allem aber diente diese natürlich der Sangeskunst Salif Keitas als Vehikel: Die Stimme des 56-Jährigen aus Mali – soweit sie das nicht eben nuancenfreundliche Mikrofon erahnen ließ – klingt immer noch erstaunlich jung, und sie erreicht in ihrer schlichten Direktheit immer wieder geradezu ekstatische Expressivität.

Schade nur, dass die Worte der Lieder, die primär dem aktuellen Album M'Bemba entstammten, unverstanden im Saal verpufften. Gerade Keita – der Mann mit der wechselvollen Biografie, als Albino und Sprössling einer königlichen Familie, der gegen alle Konventionen den Musikerberuf ergriff, in einer Situation doppelten Außenseitertums sozialisiert – verhandelt in seinen Liedern gehaltvolle Themen zwischen Panafrikanismus und globaler Toleranz bis zur existenziellen Besonderheit alltäglicher Situationen.

Hätte man also in der letzten Mandinké- oder Bambara- Stunde doch besser aufpassen sollen? Oder ist dies eine Bringschuld seitens des Veranstalters, dem es nicht schwer fallen sollte, Übersetzungen im Programmheft abzudrucken – wie dies in Wien bereits andernorts praktiziert wird? Sich rein am Musikalischen zu delektieren mag im Falle Salif Keitas für manche ausreichen. Dem Mann gerecht werden kann man zweifellos erst, wenn man seine Worte versteht. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.11.2005)