Halle - Drei beherzte Frauen haben in Halle in Deutschland einen siebenjährigen Buben aus der Gewalt eines vorbestraften Sexualtäters befreit. Sie schlossen den Mann ein und übergaben ihn schließlich der Polizei. Gegen den 44-Jährigen, der unter anderem wegen Mordes vorbestraft ist, werde jetzt wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes ermittelt, sagte Staatsanwalt Andreas Schieweck am Dienstag. Der Strafrahmen sehe dafür eine Freiheitsstrafe zwischen sechs Monaten und zehn Jahren vor.

Der Mann soll den Buben am Nachmittag des vergangenen Freitags in den Keller eines Mietshauses gelockt haben, wie Schieweck berichtete. Er bestätigte damit einen Bericht der "Mitteldeutschen Zeitung". Eine Nachbarin hörte die Schreie des Kindes, fuhr mit dem Fahrstuhl in den Keller und sah einen Mann über dem am Boden liegenden Buben gebeugt. Sie rief ihm zu: "Lassen Sie sofort das Kind in Ruhe! Ich hole die Polizei."

Soziale Hilfe

Auf dem Weg zum Telefon traf sie eine Nachbarin und ging mit ihr in den Keller. Sie kümmerten sich um das Kind. Gleichzeitig schloss eine dritte Hausbewohnerin beide Eingangstüren ab. Etwas später kamen auch noch Beschäftigte einer benachbarten Sozialstation zu Hilfe. Den couragierten Frauen sei es zu verdanken, dass das Kind zumindest keine körperlichen Schäden davongetragen habe, sagte der Staatsanwalt.

Mittlerweile sei klar, dass der Mann bereits seit 1980 mehrere Freiheitsstrafen wegen wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern verbüßen musste, sagte Schieweck. 1991 schließlich sei er wegen Mordes zu zehn Jahren Haft verurteilt worden und am 29. Dezember 2000 nach Strafverbüßung entlassen worden. Ob es sich bei dem Mordopfer auch um ein Kind gehandelt habe, sei noch unklar. "Wir lassen uns jetzt die Akten kommen", sagte der Staatsanwalt. Sicher sei, dass der Mann bei den Verbrechen unter Alkoholeinfluss stand.

Nach der Tat am Freitag wurde beim Atemtest ein Alkoholspiegel von 2,25 Promille gemessen. Dennoch habe der Mann "sehr rational gehandelt und den Buben gezielt in den Keller gelockt". Seit seiner Entlassung fiel der 44-Jährige den Angaben zufolge immer wieder durch kleinere Delikte auf wie Ladendiebstähle. (APA/AP)