Wien - Im Lichte des weiter abgesackten Euro-Wechselkurses zum Dollar und der damit verteuerten Einfuhren in diese Währungszone - derzeit am deutlichsten sichtbar am Beispiel der Treibstoffpreise - warnt Klaus Liebscher, der Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), erneut vor der Gefahr eines Inflationsimports. Die Gefahr zusätzlich importierter Inflation sei "unbestreitbar". Daher müssten "alle Maßnahmen" gesetzt werden, um die Inflationsgefahr niedrig zu halten, betonte Liebscher vergangene Nacht in der "ZiB3" des ORF-Fernsehens um Mitternacht. Straffe Geldpolitik erforderlich Dies erfordere natürlich auch eine straffe Geldpolitik. Zudem benötige Europa - neben einer am Preisstabilitätsziel orientierten Geldpolitik - strukturelle Reformen. Es stelle ein gewisses Glaubwürdigkeitsdefizit in die europäische Politik dar, dass zuwenig hinsichtlich der Flexibilisierung der Arbeitsmärkte und der Problematik der Pensionssysteme als Zukunftsbelastung getan werde. Die Preisstabilität innerhalb der Euro-Zone sei "keine Zufälligkeit", sondern ein Verdienst aller Beteiligten aus Politik, Wirtschaft und den Notenbanken. Dank dieser Bemühungen bestehe eine enorme Konvergenz in der Weltwirtschaft und in Europa. Obwohl die Inflation in Europa an die obere Grenze der EZB-Definition von Preisstabilität gestoßen sei, bestehe jedoch Preisstabilität. Interne Stabilität im Vordergrund In erster Linie gehe es um die interne Stabilität, also die Kaufkraft, sprach sich der OeNB-Gouverneur dagegen aus, "wie das Kaninchen vor der Schlange" gebannt nur auf den Euro-Wechselkurs zum Dollar zu starren - wiewohl ihn die aktuelle Euro-Dollar-Relation schon "mit einer gewissen Besorgnis" erfülle. Das, was eine Währung auszeichne, sei in aller erster Linie die Kaufkraft - und die sei beim Euro und allen seinen Untereinheiten, auch dem Schilling - gegeben, etwa hinsichtlich der Ersparnisse, der Einkommen, Löhne und auch der Pensionen. "Das", so EZB-Ratsmitglied Liebscher, "ist für mich die Erfolgsgeschichte." "Anker für ein wettbewerbsstarkes Europa" Liebscher bekannte sich weiterhin dazu, dass der Euro das Potenzial habe, Anker für ein wettbewerbsstarkes Europa zu werden: "Ich halte an dieser Aussage fest, denn sie wird zutreffen." Er glaube an die europäische Zukunft und deren gute wirtschaftliche Entwicklung, die letztlich auch einen Ausdruck im Wechselkurs des Euro finden werde. "Man sollte die Erfolgsgeschichte des Euro aber nicht ausschließlich auf seinen Wechselkurs fokussieren", unterstrich der OeNB-Gouverneur in der TV-Diskussion mit dem Nürnberger Professor Karl Albrecht Schachtschneider, einem bekannten Euro-Kritiker. Schachtschneider meinte, er würde "lieber heute als morgen den Euro abschaffen" und erwartet eine solche Entwicklung auch für die kommenden fünf Jahre - am ehesten durch soziale Verwerfungen, etwa ausgehend von Frankreich. Dem Euro fehle vor allem ein wirklich heterogener Wirtschaftsraum mit einer Einheit von Wirtschafts-, Währungs- und Sozialpolitik. Auch dadurch fehle dem Euro die nötige grundlegende Vertrauensbasis, argumentierte der Nürnberger Professor. (APA)