Der Druck eines raschen Börsegangs der Telekom Austria (TA) scheint sich für's Erste gelockert zu haben. Finanzminister Karl-Heinz Grasser sehe angesichts der möglichen Erlöse aus der für Ende des Jahres geplanten Versteigerung der Mobilfunklizenzen der dritten Generation UMTS (Universal Mobile Telecommunications System) sonnigen Zeiten entgegen. In Großbritannien hatten die UMTS-Gebote die Rekordsumme von mehr als 22 Mrd. Pfund (38,5 Mrd. Euro/530 Mrd. S) erreicht. "Wir überlegen uns, wie sinnvoll ein Börsegang im Oktober oder November ist", sagte der neue Telekom Austria-Chef Heinz Sundt am Donnerstag im Club der Wirtschaftspublizisten. Bei einem Zeitfenster von sechs bis neun Monaten stehe das Going Public entweder heuer noch oder nächstes Jahr an. Eigenständige Internettochter Die Telekom Austria (TA) sieht sich in den zukunftsträchtigen Wachstumssparten der Telekommunikationsindustrie wie Internet und Mobilfunk "hervorragend positioniert". Dies sagte der neue TA-Chef Heinz Sundt bei einem Pressegespräch. Dennoch bestehe im wettbewerbsintensiven Umfeld Umstrukturierungsbedarf. Man werde Teile des Unternehmens ausgliedern und diese Gesellschaften mit selbstständiger Geschäftsverantwortung ausstatten, erläuterte Sundt die Strategie. Bereits in einigen Wochen werde der Bereich Internet gebündelt und als 100-Prozent-Tochter verselbstständigt, kündigte Sundt an. Nach wie vor wäre der ORF für die neue Internet-Gesellschaft ein "willkommener Partner", so Sundt. Der ORF hält derzeit an der gemeinsamen Internet-Tochter Highway 194 49 Prozent. Die Suche nach einer Lösung habe sich "deutlich nach vorn bewegt". Mitte April war ein Totalausstieg des ORF kolportiert, aber nicht bestätigt worden. Österreich schneide, was das Internet betrifft, besser als allgemein angenommen ab, betonte Sundt: 34 Prozent aller Österreicher - 2,24 Millionen - haben Zugriff auf das Netz. Damit ist Österreich europaweit die Nummer Sieben beispielsweise vor Frankreich mit 15,3 Prozent Durchdringung. Gegenüber den USA mit 50 Prozent gebe es dennoch auch hier einiges aufzuholen, zumal sich der Verkehr im Internet alle drei Monate verdopple. Verhandlungen Im Bereich E-Commerce führe die TA einen intensiven Verhandlungsprozess mit Service Providern und Anbietern von Softwarelösungen. Es gelte, über eine reine Preisstrategie hinaus Kunden zu akquirieren. "Das Leistungsspektrum wird im Internet viel wichtiger als in anderen Bereichen sein", prognostiziert Sundt. In diesen strategisch Bereichen gut positioniert zu sein, sei wichtiger, als die Tatsache, ob die TA im Festnetz "nur mehr einen Marktanteil von 72 oder 68 Prozent" halte. Besonders im Internet belege die TA volumensmäßig einen "hervorragenden Anteil", und auch im Wachstumsmarkt Mobilfunk sei die TA stark positioniert über die Tochter Mobilkom Austria, die gegenüber den zwei Mitbewerbern One und max.mobil im ersten Quartal 2000 einen weitaus höheren Zuwachs erlebt habe. Den Investitionsrahmen der TA in Summe für heuer bezifferte Sundt mit rund zehn Mrd. S (727 Mill. Euro). Die ursprünglich für Frühjahr geplante Tarifreform der TA wollte Sundt nicht kommentieren, er wolle der bevorstehenden Wahl des für Marketing und Vertrieb zuständigen vierten TA-Vorstandes nicht vorgreifen. Die Besetzung werde in den kommenden Tagen bekannt gegeben, versicherte Sundt. Aller Voraussicht nach, werde es sich um einen Italiener handeln, wenngleich nicht zwingenderweise aus der Telecom Italia, die an der TA 25 Prozent hält. Ein entsprechender neuer Tarifplan sollim Herbst präsentiert werden.(APA)