Bild nicht mehr verfügbar.

APA-FOTO: HERBERT PFARRHOFER
Wien - Auf der internationalen Konferenz zum Thema "Islam in einer pluralistischen Welt" in Wien sind am heutigen Schlusstag hochrangige Vertreter der monotheistischen Religionen zu Wort gekommen. Der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn, der den Reigen der Redner eröffnete, stellte die Frage des - oft als problematisch empfundenen - Missionierungsauftrags in den Mittelpunkt seines Referats. "Sowohl Christentum als auch Islam sind eindeutig missionarische Religionen", sagte Schönborn am Mittwoch. Angesichts der Anforderungen der pluralistischen Gesellschaft forderte der Kardinal "einen klärenden Dialog" über den Missionsauftrag innerhalb von Christentum und Islam und auch miteinander.

Schönborn stellte eingangs die Frage, ob es überhaupt einen Dialog zwischen missionarischen Religionen geben könne. "Weder das Christentum noch der Islam sind Monolithen." Er merkte auch an, dass Dialog von Vertretern beider Religionen oft nur als "weiche Lösung" gesehen und sogar verachtet werde. Es frage sich auch, ob nicht "doch im Innersten immer die geheime Sehnsucht da sei, den anderen überzeugen zu können". Es gebe eine Grundüberzeugung, dass Mission Teil der Religion sei, Uneinigkeit bestehe jedoch hinsichtlich der Methode. Schönborn erinnerte an die konfliktreiche Geschichte von Christentum und Islam. Die jeweilige Missionierungsgeschichte, die auch politische und militärische Druckmittel einsetzte, "war wahrhaftig nicht immer ein Ruhmesblatt der Toleranz und des Dialogs".

Der Kardinal nannte Beispiele, die aktuellen Anlass zur Sorge geben und Zweifel am Erfolg eines Dialogs aufkommen lassen. Christen betrachteten "die gewaltigen Fortschritte" der islamischen Mission in Afrika mit Sorge, "die gewachsene Radikalisierung hinduistischer Kreise" in Indien beunruhige Christen wie Moslems, Buddhisten in Sri Lanka sorgten sich wegen islamischer Missionierung. In Lateinamerika sei die katholische Kirche tief besorgt über die Fortschritte fundamentalistischer christlicher Gruppen vor allem aus den USA, die Millionen Christen abwerben. "Die missionarische Dynamik ist für viele ein Grund zur Ablehnung von Religion", die darin ein Potenzial von Intoleranz und Konflikten sehen, so Schönborn.

Nach den Worten des Erzbischofs haben die Religionen drei wichtige Aufgaben vor sich. Innerhalb von Christentum, Islam sowie anderen Religionen und auch interreligiös bedürfe es eines klärenden Dialogs über die Bedeutung des Missionsauftrags. Es gelte, sich auf die Herausforderungen der pluralistischen Welt einzustellen. "Wir müssen die Sorgen gegenseitig auf den Tisch legen, nötige Korrekturen sollten auf die Agenda kommen." Die Religionen müssten Rechenschaft geben, ob sie glaubwürdiges Zeugnis für Gott ablegen. Dialog- und Klärungsbedarf bestehe auch in der Frage des Proselytismus, des gegenseitigen Abwerbens von Gläubigen. Dies sei ein Dauerthema zwischen Orthodoxen und Katholiken, beunruhige aber auch die islamische Welt; als Beispiel nannte Schönborn den Proselytismus radikaler moslemischer Gruppen in Indonesien. (APA)