Wien - Bundeskanzler Wolfgang Schüssel hat dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. Grüße und Wünsche von Papst Benedikt XVI. überbracht. Das verlautete am Mittwoch laut Kathpress aus der Umgebung des Oberhaupts der Weltorthodoxie, das auf Einladung der Bundesregierung an der Wiener Islam-Konferenz teilnimmt. Die rund 40 Minuten dauernde Unterredung zwischen Schüssel und Bartholomaios hatte am Dienstagnachmittag stattgefunden. Schüssel war am Montag im Vatikan vom Papst empfangen worden.

Die türkische Regierung hatte zuletzt eine Einladung des Ökumenischen Patriarchen an den Papst durchkreuzt. Bartholomaios hatte Benedikt XVI. für den 30. November eingeladen, um gemeinsam das Fest des Heiligen Andreas, des Bruders des Heiligen Petrus, zu feiern. (Bartholomaios gilt als 270. Nachfolger des Apostels Andreas, des leiblichen Bruders des ersten Papstes.) Nach schwierigen Verhandlungen mit vatikanischen Vertretern gab das Außenministerium in Ankara schließlich bekannt, dass Staatspräsident Ahmet Necdet Sezer den Papst zu einem Besuch im kommenden Jahr eingeladen hat. Die türkische Presse hatte berichtet, die Regierung befürchte, dass der Papst bei seinem Besuch statt der europäischen Integration der Türkei die Glaubensfreiheit für die Christen im Land fordern werde.

Die Türkei-Reise wäre die dritte eines Papstes: Paul VI. besuchte 1967 Athenagoras I. im Phanar, nachdem sie den gegenseitigen Bannfluch von 1054 aufgehoben hatten, der zur Kirchenspaltung ("Großes Schisma") führte. 1979 war Johannes Paul II. Gast des Patriarchen Dimitrios I., des 1991 verstorbenen Vorgängers von Bartholomaios (der selbst drei Mal im Vatikan war).

Der Wiener griechisch-orthodoxe Metropolit Michael Staikos hob im Gespräch mit Kathpress die gute Atmosphäre bei der Unterredung zwischen dem Regierungschef und dem Ökumenischen Patriarchen hervor. Fragen und Probleme von beiderseitigem Interesse seien in großer Offenheit zur Sprache gekommen, und in vielen Punkten herrsche Übereinstimmung. Schüssel habe u.a. über sein Gespräch im Vatikan mit Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano über die Frage des angestrebten EU-Beitritts der Türkei berichtet.

Am Mittwochnachmittag wird Bartholomaios I. zu Höflichkeitsbesuchen und Gesprächen bei Bundespräsident Heinz Fischer in der Hofburg und Nationalratspräsident Andreas Khol im Parlament erwartet. Am Abend stehen Besuche in der türkischen und der griechischen Botschaft auf dem Programm. Für Donnerstag sind eine Unterredung mit Kardinal Christoph Schönborn, ein Empfang in der Apostolischen Nuntiatur und am Abend die Teilnahme an einem von der rumänisch-orthodoxen Kirche veranstalteten Benefizkonzert in der Augustinerkirche zu Gunsten rumänischer Flutopfer vorgesehen.

Auf der Islam-Konferenz hat Bartolomaios I. die Gleichberechtigung der Christen in allen mehrheitlich muslimischen Ländern eingemahnt. Die Lage der Christen in manchen muslimischen Ländern sei unsicher und müsse "wesentlich verbessert" werden. Zugleich betonte der Patriarch, dass die Konflikte zwischen Muslimen und Christen ihre Wurzeln in der Politik und nicht im Glauben hätten. Immer wieder in der Geschichte sei Religion politisch dazu missbraucht worden, Feindschaft zu säen und Menschen zu Intoleranz und Fanatismus anzustacheln. (APA)