In Wien gibt es nach Ansicht von Vizebürgermeister Sepp Rieder keine Notwendigkeit, den Bedarf an Stützlehrern neuerlich zu erheben. In der wöchentlichen Pressekonferenz von Bürgermeister Michael Häupl rechnete er vor, wie viele zusätzliche Integrationslehrer in Wiens Volksschulen man benötige, nämlich 168. "Es gibt in Wien einen exakt berechneten Bedarf, mit dem man sofort zu einem Abschluss kommen kann", betonte er.

Bedarf ist bekannt

Rieder reagierte damit auf Bildungsministerin Elisabeth Gehrer, die den Mehrbedarf noch evaluieren will. Von den österreichweit von der Ministerin in Aussicht gestellten 300 Lehrern erwartet sich Rieder für Wien den "größten Brocken".

Seine Berechnung: In Wien gebe es 9.900 Volksschüler, die auf Grund mangelnder Sprachkenntnisse nicht in der Lage seien, dem Unterricht in vollem Ausmaß zu folgen. Diese könne man auf 665 Gruppen aufteilen, wobei man für je zwei Gruppen einen Lehrer brauche. Damit kommt der Vizebürgermeister auf einen Bedarf von 332 Lehrern. Abzüglich der vorhandenen 164 bleibt ein Bedarf von 168.

"Unwürdige" Situation

Ob und wie viel Wien dabei finanziell beitragen könnte, wollte Rieder nicht sagen. Häupl - der inklusive Behindertenbetreuung und ähnlicher Bereiche auf einen Bedarf von rund 700 Pädagogen kommt - bekräftigte, dass der Bund die Kosten dafür tragen müsse. Dennoch schloss er eine Vorfinanzierung durch Wien nicht aus, denn die Lehrer brauche man bereits im kommenden Schuljahr. Die Situation sei zwar "unwürdig", er hoffe aber, dass sich dies nach der Nationalratswahl 2006 mit einer neuen Bundesregierung ändern werde, betonte Häupl.

Eine "möglichst schnelle" Evaluierung des Mehrbedarfs an Stützlehrern verlangte die Bildungssprecherin des Freiheitlichen Parlamentsklubs, Mares Rossmann, in einer Aussendung. Die Forderung der Landeshauptleutekonferenz nach 700 zusätzlichen Dienstposten in diesem Bereich müsse ernst genommen werden. (APA)