"Sehr geehrter Herr Staatssekretär Morak, schon bei Ihrem ersten Auftritt auf der Burgtheaterbühne als Regierungsmitglied hörten Sie anläßlich des Aufmarsches von 10 Männern und einer Frau auf dem Podium einen Aufschrei aus dem ZuschauerInnenraum: "Wo sind die Frauen?" Sie haben nicht reagiert. In der Kunst stellt sich dieselbe Frage: 50% aller Absolventinnen von Kunsthochschulen sind Frauen. Und danach? Wo sind die Frauen? 9 % Künstlerinnen bei europäischen Großausstellungen, noch weniger bei Preisverleihungen, Einzelförderungen im Verhältnis 2:1 Männer zu Frauen, bezogen sowohl auf Anzahl als auch Höhe der Förderungen. (Kunstbericht des Bundes, 1997). "Förderungen sind keine Geschenke der Republik, sondern Steuergelder, die es verantwortungsvoll zu verwalten gilt" (Franz Morak im Profil) "Kunst und Kultur gehört allen!" (Wolfgang Schüssel in der Regierungserklärung) "Für uns ist Frauenpolitik ein breiter politischer Gestaltungsauftrag und fällt damit in die Zuständigkeit von allen Ressorts." Regierungsprogramm, Kapitel IV, Politik für Frauen. 52 % der Menschen in diesem Land sind Frauen. Frauen sind Steuerzahlerinnen. Frauen sind Wählerinnen. Ein öffentlicher, Frauen gewidmeter Kunstraum ist vor allem Symbol für gesellschaftliche Wahrnehmung und Gleichstellung und damit ein Beitrag zur Herstellung der in der Bundesverfassung verankerten tatsächlichen Gleichberechtigung von Frauen und Männern. (Barbara Klein, kosmos.frauen) Herr Staatssekretär Morak, wir fordern Sie auf, Stellung zu beziehen. Was unternehmen Sie, um die Benachteiligung von Frauen in der Kunst zu beseitigen? Warum ignorieren Sie das Projekt kosmos frauen.raum, das sich mit der Errichtung eines neuen Theaters und Kulturzentrums für Kunst und Politik für Chancengleichheit und Gleichstellung von Künstlerinnen einsetzt? Warum befassen Sie sich nicht mit dem dringlichen Problem der Ausfinanzierung des Umbaus, über das Sie bereits seit Februar Bescheid wissen? Als Künstler und an Kultur interessierter Politiker/Schauspieler wissen Sie um das Projekt bereits seit dem Beginn vor vier Jahren, Sie wurden damals auch persönlich informiert. Warum reagieren Sie seit drei Monaten nicht auf die zahllosen schriftlichen und telefonischen Versuche der kosmos.frauen, mit Ihnen ein Gespräch zu führen? Warum folgen Sie nicht den Einladungen zu Kunstevents im Rohbau des kosmos - obwohl z.B. am 8. März ein 24h-Kunstfest mit über 90 KünstlerInnen stattfand, denen zu begegnen Sie von Ihrem Wohnort gerade mal 20m über die Straße hätten gehen müssen? Warum lassen Sie zu, daß die Geschäftsführerin des kosmos - in Ausübung ihrer Pflicht! - bei dem telefonischen Versuch mit Ihnen in Kontakt zu treten, von einer Ihrer Mitarbeiterinnen als ungut und lästig beschimpft wird? Daß versperrte Türen (!) angedroht werden für den Fall eines Besuches? Warum kürzen Sie die Subvention für den laufenden Betrieb des kosmos um 30% (!) - noch bevor das Theater überhaupt aufsperren konnte? Zur Erläuterung: Die beantragte Subvention betrug für das Jahr 2000 ATS 4,8 Mio. Bund und Stadt Wien nahmen bereits eine Kürzung um fast 40% (!) und einigten sich auf 2 Mio von der Stadt Wien und 1 Mio vom Bund. Eine neuerliche Kürzung nach bereits erfolgter schriftlicher Zusage während des laufenden Geschäftsjahres führt jede seriöse Kalkulation ad absurdum! Als Verwalterinnen von über ATS 10 Mio Steuergelder für den Umbau des kosmos sehen wir es als unsere Pflicht, mit Ihnen persönlich über die Fertigstellung zu sprechen. Wir kündigen unseren Besuch im Staatssekretariat an für 9. Mai, 11.30. Wir protestieren gegen einen derartigen Umgang. kosmos.frauen" kosmos frauen.raum A-1070, Siebensterngasse 42 Tel. 5231226 Fax 5872057 e-mail: office@kosmos.frauenraum.at www.kosmos.frauenraum.at