Gaza - Parteiinterne Vorwahlen der palästinensischen Fatah-Bewegung im Gaza-Streifen sind am Montag in mehreren Wahlbezirken wegen gewaltsamer Zwischenfälle unterbrochen worden. Nach palästinensischen Angaben wurden Wahllokale in drei Ortschaften bei Gaza sowie in Khan Younis wegen Störaktionen militanter Fatah-Mitglieder geschlossen.

Bewaffnete Palästinenser hatten eine Wahlstation gestürmt und alle Wähler gezwungen, das Gebäude zu verlassen. Augenzeugen sagten, die militanten Männer hätten dies mit ihrem Zorn darüber begründet, dass ihre Namen nicht in den Wählerlisten aufschienen.

Die Vorwahlen, bei denen die Fatah-Kandidaten für die palästinensische Parlamentswahl Ende Jänner nominiert werden sollen, hatten am Montagmorgen in fast allen Ortschaften des Gaza-Streifens begonnen.

In Rafah sollten sie am Mittwoch stattfinden. Die Fatah von Präsident Mahmoud Abbas und Premier Ahmed Korei will mit der demokratischen Kandidatenauslese ihre Glaubwürdigkeit verbessern. Die erste Runde hatte am Freitag im Westjordanland stattgefunden. Dabei musste die bisherige Fatah-Führungsriege eine Niederlage hinnehmen. Am Dienstag will die Fatah in Ostjerusalem abstimmen lassen.

Rund 23.000 Fatah-Mitglieder sollen morgigen am Dienstag zwölf Fatah-Kandidaten für die Parlamentswahlen nominieren, sagte ein Sprecher am Montag. Die Fatah rechne mit Widerstand Israels, das Ostjerusalem 1967 erobert und 1980 ohne völkerrechtliche Wirksamkeit annektiert hat.

Die Jerusalem-Frage gilt als einer der Hauptstreitpunkte im Nahost-Konflikt. Die Israelis betrachten ganz Jerusalem als "ewige und unteilbare" Hauptstadt, die Palästinenser beanspruchen den arabischen Ostteil als Hauptstadt ihres künftigen Staates.

Der Teilungsbeschluss der UNO-Vollversammlung vom November 1947 sah vor, das ehemalige britische Mandatsgebiet in einen jüdischen und einen arabischen Staat zu teilen und Jerusalem als "Sondergebiet" (corpus separatum) zu neutralisieren. Die Vereinten Nationen hatten die Annexion Ostjerusalems durch Israel für illegal erklärt.

Die Fatah stellt derzeit drei Viertel der 88 Mitglieder des 1996 gewählten Legislativrates. Das Parlament hatte im Juni einen Kompromissvorschlag von Präsident Abbas für ein neues Wahlgesetz mit knapper Mehrheit gebilligt.

Demnach soll der künftig aus 132 Abgeordneten zusammengesetzte Legislativrat zur Hälfte nach dem Verhältniswahlrecht und zur anderen Hälfte nach dem Mehrheitswahlrecht gewählt werden. Abbas hatte ursprünglich ein Verfahren mit einer nationalen Liste bevorzugt, während andere Kräfte in der Fatah eine Direktwahl der Abgeordneten in den Wahlkreisen wünschten. (APA/dpa)