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Roberto Lavagna, der "Architekt der wirtschaftlichen Erholung" Argentiniens ist zurückgetreten.

Foto: APA/EPA/Leo La Valle
Buenos Aires - Nach zunehmenden Meinungsverschiedenheiten mit Präsident Néstor Kirchner ist der argentinische Wirtschaftsminister Roberto Lavagna am Montag zurückgetreten. Lavagna hatte das Amt im März 2002 übernommen und galt als Architekt der wirtschaftlichen Erholung des Landes. Die Börse in Buenos Aires reagierte mit einem Kurssturz von fast 5,0 Prozent und der Wechselkurs des Dollar stieg auf mehr als 3,0 Pesos.

Lavagna hatte sich zudem mit dem Präsidenten der Zentralbank angelegt und dem Planungsministerium Verschwendung bei der Vergabe von öffentlichen Bauvorhaben vorgeworfen. Nachfolgerin werde die bisherige Präsidentin der staatlichen Nationalbank, Felisa Miceli, teilte Kabinettschef Alberto Fernández mit. Zudem wurden die Ministerien für Äußeres, Verteidigung und Soziales neu besetzt.

Vier neue Minister

Außenminister Rafael Bielsa wurde durch seinen bisherigen Stellvertreter Jorge Taiana ersetzt. Verteidigungsminister José Pampuro musste sein Amt an die bisherige Botschafterin Argentiniens in Venezuela, Nilda Garré, abgeben. Die Sozialminsterin Alicia Kirchner, eine Schwester des Präsidenten, wurde von Carlos Nadalich abgelöst. Nadalich war bisher stellvertretender Leiter der staatlichen Sozial- und Rentenversicherungsgesellschaft Pami.

Während der Amtszeit Lavagnas fand das südamerikanische Land aus der tiefsten wirtschaftlichen und sozialen Krise seiner Geschichte heraus und verzeichnet derzeit ein rasantes Wirtschaftswachstum mit leichten Überhitzungserscheinungen. Durch eine Umschuldung der Verbindlichkeiten bei Privatgläubigern konnte Lavagna zudem einen erheblichen Teil der Auslandsschulden abbauen.

Zunehmenden Ärger mit Kirchner gab es jedoch vor allem wegen der wieder steigenden Inflationsrate, die dieses Jahr auf mehr als elf Prozent klettern dürfte. Kirchner hatte zuletzt den Eigentümern großer Supermarktketten die Bildung von Preiskartellen vorgeworfen. Die Inflation könnte nach Einschätzung politischer Beobachter soziale Unruhen auslösen, weil die Gehälter nicht in gleichem Maße steigen, und immer noch etwa 40 Prozent der 36 Millionen Argentinier unterhalb der Armutsgrenze leben. (APA/dpa)