Wenn Sie unseren Songcontest-Eignungstest auf dieser Seite schon gemacht haben, wissen Sie ja inzwischen, was Sie auf Frage 8 antworten müssen. - Er weiß es längst: Roger Pontare, der wackere Großstadt-Indianer, der heuer für Schweden antritt und sich im Text strichweise patriotisch gibt, kleckert nicht - er klotzt. Drei Feuer werden auf der Bühne brennen, wenn er "When the spirits are calling my name" röhrt. Zwei zur Seite und eine Lohe direkt hinter ihm; die Rettung steht jedenfalls hinter der Bühne bereit. Soll ja keiner im Saal wirklich zu den Geistern gerufen werden. Zur Vorbereitung raucht er Präriegras und meditiert ein bisschen - dass seinem Text ein (zu?) deutlicher nationalromantischer Zug anhaftet, bringt ihn dabei nicht aus der Ruhe. Und das Outfit? Kostümbildnerin Sarah Mårskog hat ihm einen gewagten beinahe-indischen Fummel auf den Leib geschneidert, garniert mit Elchzähnen und Fischhaut ( ist alles wahr!! ). Ihr ästhetisches Konzept: "Ein ethnischer Mad Max" ... Über seine Platzierung macht Pontare sich jedenfalls keine Sorgen: Schlechtestensfalls soll es Rang 5 werden - glaubt er zumindest. "Wenn ich nur mehr Rauch auf der Bühne bekomme. Mehr Mystik!" Die bei den Proben anwesenden Journalisten zeigten sich immerhin beeindruckt. Thanassis Gzigozatos aus - no na - Griechenland war sogar begeistert: "Welche Ausstrahlung! Er schlägt alles, was wir im Globen bisher gesehen haben." (Im Vertrauen gesagt: Das heißt nicht viel - die meisten waren mit den Proben erst nach Pontare dran ...) Und übrigens: wer dachte, Pontare sehe eine wenig ... speziell ... aus - bitte sehr: das hier ist sein Songschreiber. Peter Dahl, 36, Musiker und Tätowierer, wohnhaft im Wald zwischen Åtorp und Finnröja. Inzwischen liegt ganz Stockholm im Songcontest-Fieber. Die TeilnehmerInnen sind mit ihrem jeweiligen Tross am Wochenende angereist und stehen mitten in den Proben. Ebenfalls angereist sind die Journalisten - und hier sticht ein Land eindeutig heraus: Deutschland. Vom Raab-Effekt getrieben, belagern nicht weniger als 80 Journalisten das Contest-Areal. Zum Vergleich: aus Island hat sich nicht einer nach Stockholm bequemt. Dabei knarzt Globen , der Austragungsort des Contests, ohnehin schon aus allen Fugen. Auf 25 Personen mussten die jeweiligen Länder-Delegationen begrenzt werden - und wie es aussieht, haben alle diese Chance maximal ausgereizt. Die 13.000 Zuschauer-Plätze in Globen waren ebenfalls binnen weniger Stunden ausverkauft. Wer übrigens eine der begehrten Karten ergattert hat und sich noch diese Woche nach Stockholm begeben wird: die beste Chance, die Contest-Teilnehmer in ihrer spärlichen Freizeit zwischen Proben und Interviews zu erwischen, hat man im Prominenten-Lokal Café Opera im Stadtteil Kungsträdgården.
Charlotte, nein danke!
Ärger gibt es um Vorjahressiegerin Charlotte Nilsson: Die traditionelle Zepterübergabe an ihre(n) Nachfolger(in) wird heuer ausfallen: Charlotte will nicht kommen - oder darf nicht, je nach dem, wem man Glauben schenkt. "Die Leute vom schwedischen Fernsehen sind Amateure", grollt Charlotte und hat angekündigt, noch während des Song Contests das Land Richtung Amerika zu verlassen. Etwas nüchterner sieht man es freilich beim schwedischen Fernsehen SVT, dem Veranstalter der Songcontest-Übertragung: Charlotte, die aus der schwedischen Humpapa-Schlager-Szene stammt und lediglich für den Vorjahres-Contest das Genre gewechselt hatte, wollte vor dem großen Publikum unbedingt ein Lied aus ihrer neuen CD singen. Das hätte dann aber doch nicht so ganz in den Rahmen des Abends gepasst ... Der traditionelle Gratulationsauftritt allein war ihr aber offenbar zu popelig: "Ich bin kein Blumenmädchen!" - Tja ...
... und sie führen uns durch den Abend:
Anders Lundin und Kattis Ahlström
Josefson