Die Kunst der Autonomie: Hans Sünkel, Hannes Androsch, Gerfried Sperl, Andreas Spiegel, Fadi Sinno (v. li.).

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Graz - Die Begeisterung von Hannes Androsch für eine österreichische Elite-Uni ist enden wollend: "Mir kommt das vor, wie wenn man auf ein Wohnhaus mit Bassena und Klo am Gang ein Luxus-Penthouse draufsetzt", meinte der Vorsitzende des Uni-Rats an der Montanuniversität Leoben am Dienstagabend bei einem zum Bildungs-Talk mutierten Kunst-Jour-Fixe im Grazer Kunsthaus.

In der "Needle" über den Dächern von Graz diskutierte STANDARD-Chefredakteur Gerfried Sperl mit Androsch sowie dem Rektor der Grazer TU, Hans Sünkel, Andreas Spiegel, Vizerektor für Lehre an der Akademie der bildenden Künste, und Fadi Sinno, dem neuen Vorsitzenden der Grazer ÖH, über die Ausgliederung der österreichischen Unis und den Sinn eines elitären Bildungstempels.

Skepsis gegenüber Elite-Uni

Auch Sünkel, der mit veralteten technischen Anlagen zu kämpfen hat und zehn Millionen Euro jährlich für seine Uni bräuchte, um Forschung und Lehre abzusichern, steht einer Elite-Uni skeptisch gegenüber: Jede österreichische Uni verfüge über Exzellenzbereiche, und diese zu stärken stehe zuerst an. "Wir sind eine Elite-Uni", stellte Spiegel dazu fest, "wir haben die besten Professoren, und unsere Absolventen sind später sehr erfolgreich."

Mieten steigen

Dass die Unis seit ihrer Entlassung in die Autonomie 2003 de facto weniger Geld und mehr Aufgaben hätten, darin war man sich einig. Dazu komme noch die "Entmachtung des Mittelbaus und der Studierenden", wie Sinno bedauerte. Die Mieten, die die Unis an die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) entrichten, steigen außerdem. "Die BIG ist eine Institution, die die Unis ausnimmt", so Sinno.

Gelder zu lukrieren ist nach wie vor schwer, wie der Ex-Finanzminister und nun Industrielle Androsch, der selbst im Vorjahr eine Stiftung bei der Akademie der Wissenschaften einrichtete, weiß. Das Universitätsgesetz sei eines, mit dem man nach Verbesserungen "leben könne", doch das Förderungsstiftungsrecht sei ein Hindernis: "Es dauert Jahre, bis Sie formalrechtlich in der Lage sind, Ihr Geld anzubringen. Einen Nachahmungseffekt habe ich nach meinem Schritt leider noch nicht feststellen können." (Der STANDARD, Printausgabe, cms, 1.12.2005)