Wien/Salzburg - Dass Mozart bettelarm war, zählt nicht nur das aktuelle Mozart-Sonderheft der deutschen Wochenzeitung "Die Zeit" zu den "größten Mozart-Irrtümern" der Nachwelt. "Mozart hat immer gut verdient", stellt Otto Biba, Chefarchivar der Gesellschaft der Wiener Musikfreunde, im APA-Gespräch fest, "Schon als Kind und später als Erwachsener." Und auch Gabriele Ramsauer von der Stiftung Mozarteum bestätigt: Der Komponist hat den überwiegenden Teil seines Lebens "extrem viel Geld verdient".

Aus Briefen und Korrespondenzen lassen sich die Einnahmen des Komponisten nachvollziehen. So verdiente er - nach "Zeit"-Berechnungen - für die Aufführungen des "Don Giovanni" in Wien und Prag nach heutigem Geld 38.000 Euro. Verschiedenste Einkünfte machten laut Forschung den Komponisten zum Spitzenverdiener seiner Zeit. Er verdiente als Klavierlehrer, als Veranstalter von Konzerten, als Gastkünstler bei Kollegen und über monetäre Ehrengaben für Werkwidmungen und Honorare für die Aufführungen seiner Kompositionen.

Als Beispiel führt Biba das Jahr 1781 an, in dem Mozart seinem Vater detailliert seine Einkünfte schilderte. Ein Konzert bringt einen Reingewinn von 444 Gulden, eine Konzertreihe mit Abonnements bringt einen Erlös von 1.845 Gulden und so weiter. Otto Biba: "Mozart hat ständig Konzerte veranstaltet und gespielt. Allerdings kennen wir nur die Einnahmen, die uns über Originalquellen bekannt sind." Mozart könnte also noch mehr verdient haben.

Von Umrechnungstabellen zwischen Gulden und Euro will der Historiker Biba nichts wissen und erklärt lieber die Lebensumstände: "Über eine Art statistisches Handbuch aus dem Jahr 1785 kennen wir die Lebenskosten der Zeit genau." Mit einem Jahreseinkommen in der Größenordnung von 500 Gulden lebten etwa Ärzte oder Universitätsprofessoren, kurz Mitglieder des gehobenen Mittelstandes, in großzügigen Wohnungen samt allerhand Personal. Mit acht bis zehn Kreuzer (60 Kreuzer sind ein Gulden, Anm.) konnte man bereits zum Mittagessen ein viergängiges Menü in einem besseren Restaurant zu sich nehmen.

"Alles in allem lebte Mozart in Einkommensverhältnissen wie heute ein Primararzt", sagt Ramsauer. Sogar das könnte zu tief gegriffen sein. Andere Wissenschafter taxieren die jährlichen Einkünfte seiner Wiener Jahre zwischen 2.000 und 6.000 Gulden. Nicht zu vergessen: Ab dem Jahr 1788 wurde ihm aus der kaiserlichen Privatschatulle ein Gehalt als Kammerkomponist über 800 Gulden zugesprochen - ohne vertraglich festgelegte Gegenleistung. Nach heutigen Maßstäben könnte Mozarts Verdienst durchaus mit jenem von Pop-Größen wie Robbie Williams verglichen werden, meint Biba.

Wohin das eingenommene Geld wieder geflossen ist, das ist ebenso unklar. Das neue "Mozart-Lexikon", das dem Thema Geld ein eigenes Kapitel widmet, kommt zu dem Schluss: Mozart lebte in sehr gehobenen bürgerlichen Verhältnissen mit großem Hang zum Luxus. Er bewegte sich in adeligen Kreisen, wollte mithalten und ließ sich auf extrem hohe Lebenshaltungskosten ein. "Er gab viel Geld für Kleidung aus und hat Geld nicht nur geliehen, sondern auch verliehen. Unter dem Strich zerrann ihm das Geld zwischen den Fingern, er konnte damit einfach nicht vernünftig umgehen", so Mozart-Forscherin Ramsauer.

Fast gleich lautend meint Otto Biba: "Mozart besaß kein Gefühl für Geld, weil er den Umgang mit Geld nie gelernt hatte." Dass Mozart hohe Schulden hatte, belegen die historischen Quellen eindeutig. Woher diese Schulden allerdings kamen, lässt sich nur zum Teil feststellen. "Ob Mozart ein Spieler war, lässt sich nicht eindeutig über Quellen belegen", so Biba, "allerdings war das Glücksspiel in dieser Zeit ein evidentes Problem im Adel und im Bürgertum, und verbürgt ist ebenfalls, dass meist hohe Summen im Einsatz waren." Eines ist allerdings ebenfalls verbürgt: Constanze Weber, die sich zu Lebzeiten nie sonderlich um finanzielle Angelegenheiten gekümmert hatte, mutierte nach Mozarts Tod zu "einer Art Einzi Stolz" (Biba) und vermarktete das Erbe ihres Mannes "sehr gekonnt". (APA)