Wien - Der Chef des Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) in Wien, Helmut Kramer, kann Vermutungen über eine Schuld oder Mitschuld Österreichs an der gegenwärtigen Schwäche der Einheitswährung Euro "nicht nachvollziehen". Das Gewicht der österreichischen Wirtschaft im Rahmen des Euro sei bescheiden", sagte Kramer im Radio-Mittagsjournal des ORF am Montag. In Summe könnten die budgetären und die außenpolitischen Probleme Österreichs von den Märkten allerdings als Symptom dafür gewertet werden, "dass die europäische Währungspolitik nicht genügend Konsequenz und Geschlossenheit aufweist". So gesehen wären diese Faktoren ein "Steinchen im Mosaik". "Regierung trägt volle Verantwortung" Ungeachtet früherer Legislaturperioden trage die neue Regierung für das Budget 2001 die volle Verantwortung. Das nächste Budget müsse zumindest den vom Finanzminister angekündigten Plan erfüllen, das Defizit um zwei Zehntel des Gesamtstaats zu senken, "das ist ja nicht sehr viel". Das geht sicher nicht ohne harte politische Auseinandersetzungen" gelingen, ist Kramer überzeugt. Einen unmittelbaren Zusammenhang mit den außenpolitischen Sanktionen der 14 übrigen EU-Länder und der jüngsten Kritik am österreichischen Budget aus Brüssel sieht Kramer nicht, allerdings sei es in diesem Zusammenhang möglich, "dass einzelne Ländervertreter keine Bereitschaft zur Milde zeigen". Der Wifo-Chef unterstrich, dass die Budgetkonsolidierung nicht der EU zuliebe erfolgen müsse, sondern auch dann eine Hausaufgabe für Österreich wäre, wenn dieses allein agieren könnte. Die derzeit konjunkturell relativ günstige Situation müsse dafür genutzt werden, das Budget besser ins Gleichgewicht zu bringen. (APA)