Wien - Im Parlament wurde am Montag die wissenschaftliche Publikation "Racism at the Top" präsentiert. In der von der Wiener Sprachwissenschafterin Ruth Wodak und ihrem niederländischen Kollegen Teun A. van Dijk herausgegebenen Studie wurden Parlamentsdebatten von sechs EU-Mitgliedsstaaten im Hinblick auf rassistische und xenophobe Elemente analysiert. Wodak nannte als zentrales Ergebnis der Studie die Erkenntnis, dass in allen sechs untersuchten EU-Staaten ausgrenzende Worte und Vorurteile im parlamentarischen Alltag geäußert werden. Das Buch ist als zweiter Band des Forschungsschwerpunktes "Fremdenfeindlichkeit" des Wissenschaftsministeriums erschienen. Auf der Basis von Parlamentsdebatten zur Ausländerpolitik in den Jahren 1996 und 1997 wurde untersucht, wie Regierungsmitglieder und Abgeordnete der Staaten Italien, Spanien, Frankreich, Niederlande, Großbritannien und Österreich über Minderheiten, Ausländer, Migranten und Asylwerber sprechen und welche offenen und verdeckten Formen von Rassismus sich in der politischen Debatte zeigen. Politische Eliten wurden für diese Studie auf Grund ihrer Funktion als Multiplikatoren und Vorbilder, deren Meinungen über die Medien verbreitet werden, aber auch auf Grund ihrer Verantwortung im Hinblick auf Rassismus wie auch auf Antirassismus herangezogen. Das Parlament wurde als Ort des Gesetzesbeschlusses und der Kontrolle und somit als zentraler Ort politischer Diskurse erfasst. Das Buch wurde in englischer Sprache publiziert, um eine breitere Rezeption in Europa zu ermöglichen. Polarisierung in ihrer traditionellen Form nicht mehr aufrechtzuerhalten Eines der Detail-Ergebnisse: Rassistische und xenophobe Äußerungen würden auch von Vertretern von Regierungsparteien getroffen und sozialdemokratische Parteien in Regierungsfunktion hätten in den vergangenen Jahren restriktive Einwanderungsbestimmungen beschlossen. Damit sei die Polarisierung zwischen Links und Rechts in ihrer traditionellen Form nicht mehr aufrechtzuerhalten. Auffällig sei jedoch, dass rassistische und fremdenfeindliche Diskurselemente von rechten Parteien offener, von Zentrums-Parteien subtiler geäußert würden, so Wodak. Als "sehr traurig" bezeichnete die Herausgeberin die Tatsache, dass im Durchschnitt nur 2,7 Prozent aller erfassten parlamentarischen Äußerungen zum Thema Ausländerpolitik antirassistischen Charakters seien. Bundesratspräsidentin Anna Elisabeth Haselbach (S) meinte bei der Präsentation, es sei bedrückend, dass es sich um keine Studie über rechtsextreme Parteien handle, sondern um rassistische Elemente in der Sprache von "sogenannten Volks- und Zentrumsparteien, die glauben, den Finger am Puls der Menschen zu haben." Haselbach äußerte ihre Hoffnung auf Erfolg des Buches und meinte: "Gerade heute brauchen wir eine besonders klare und pointierte Sprache, um es den Vereinfachern nicht zu leicht zu machen, sich von der Täter- in die Opferrolle zu versetzen." (APA) (Ruth Wodak, Teun A. van Dijk (Hg.): "Racism at the Top. Parliamentary Discourses on Ethnic Issues in Six European States"; Drava-Verlag, Klagenfurt / Celovec, 2000; 391 Seiten, 482 Schilling)