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Foto: AP/ANDREAS SCHAAD

Was für ein Sport soll Biathlon überhaupt sein? Warum zum Teufel sollte die Wochenendstimmung mit langlaufenden, schießenden Männer in hautengen Anzügen konfrontiert werden? Muss wirklich nicht sein, ein wolkenloser Himmel legt nahe, ein Naturerlebnis anzustreben. Man sollte dankbar sein, dass nichts geboten wird, was einen vor der Glotze halten kann. Herzliches Beileid übrigens an alle ORF-schauenden ans Bett Gefesselten von diesem Wochenende!

Dem Österreicher ist es Gebot, Wintersport im Fernsehen zu konsumieren, weil Österreichs Sportler darin erfolgreich sind. Nicht auszudenken, wenn Österreich im Eisfischen Weltspitze wäre. Neben der Sportnation ist das Land auch Kulturnation, Meister aus Tradition bei Theater und Musik, so zu sagen. Warum werden also nicht ständig Live-Schaltungen aus Burgtheater und Staatsoper geboten?

Aber halt. Der ORF bietet ja all jenen, die sich nicht durch Sport zum sich als Österreicher Fühlenden machen lassen wollen, eine Alternative: ORF 2, dort kann man sich auch kulturelle Integrativa einverleiben, etwa am Samstag ein Ferdinand Raimund-Stück. Die Deutschen versuchen dasselbe und bieten dem Biathlon-Flüchtigen vom ZDF auf ARD eine Verfilmung von Erich Kästners "Fliegenden Klassenzimmer". Die Nation geht offenbar vor, in kultureller Nuance oder in gegenseitiger Übertrumpfung im Langlaufen und Schießen. (pum/DER STANDARD, Printausgabe, 12.12.2005)