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Stefan Koubek hat auch wegen der Dopingsperre viele Plätze verloren.

Foto: Reuters/ Bader
Wien - Eine Entzündung im Handgelenk, ein Arzt, eine Spritze, die Schmerzen sind weg - trotzdem klagt der Patient auf Behandlungsfehler. Wie das geht? Der Patient war Tennisprofi Stefan Koubek, in der Spritze war "Volon A 40", ein Medikament, das auf der internationalen Dopingliste steht. Prompt wurde der Kärntner im Vorjahr in Paris als Sünder entlarvt und vom Internationalen Tennisverband (ITF) für drei Monate gesperrt. Koubek sieht die Schuld nicht bei sich sondern beim behandelnden Arzt. Mittwoch traf man sich im Wiener Landesgericht für Zivilrechtssachen.

Gleich zu Beginn muss Richter Stefan Böck die Erwartungshaltung der klagenden Partei, die 270.000 Euro Schadenersatz verlangt, ein wenig zügeln: "Wenn jemandem ein Aug ausg’haut wird, gibt’s höchstens 1500 Euro Schadenersatz." Koubek-Anwalt Christian Flick legt in die Waagschale: Neun zwangsversäumte Turniere, Abstieg in der Weltrangliste von Platz 60 auf 75, Imageverlust und psychische Belastung.

Der behandelnde Arzt aus Wien weist die Verantwortung für den positiven Dopingfall zurück. Tatsächlich ist das Medikament "Volon A 40" für Sportler nicht gänzlich tabu. Da es sich um keine leistungssteigernde Substanz handelt, ist sie außerhalb des Wettkampfes zur Behandlung zugelassen. In diesem Fall muss jedoch eine therapeutische Ausnahmegenehmigung bei der ITF beantragt werden. Warum diese unterblieben ist, muss noch geklärt werden.

Triamcinolon

Außerdem ist laut Martin Schuppich, dem Anwalt des Arztes, noch nicht erwiesen, ob der bei der Dopingprobe gefundene Wirkstoff Triamcinolon nicht durch eine andere Behandlung in Koubeks Körper gelangt ist. Fest steht, dass es sich um einen künstlichen Wirkstoff handelt, der die menschliche Cortisolproduktion nachahmt.

Ein Knackpunkt ist auch die immer besser werdende Detektion von Substanzen. "Bis 2001 lag die Dauer der Nachweisbarkeit bei zwei Wochen", erklärt Karl-Heinz Demel, der Chef der heimischen Doping-Kontrollkommission, der Koubek schon beim internationalen Dopingverfahren vertreten hat. Mit einem modernen High Rsolution Mass Spectrometer habe sich die Nachweisbarkeit auf sechs Wochen ausgedehnt.

Ob denn nach so langer Zeit das inkriminierte Medikament "Volon A 40" überhaupt noch Wirkung zeige, wird Professor Michael Zimpfer, den sich Richter Böck als Gutachter geholt hat, gefragt. "Überhaupt nicht", erklärt der Leiter der Anästhesie und Allgemeinen Intensivmedizin am Wiener AKH. Als gedopt gilt ein Sportler trotzdem. Der Prozess geht in drei Monaten weiter. (DER STANDARD, Printausgabe, Donnerstag, 15.12.2005, Michael Simoner)