Wien - Die Deutsche Bank hat ihren rund sechs Milliarden Euro schweren offenen Fonds "Grundbesitz-Invest" am Dienstagabend vorerst geschlossen. Das gesamte Portfolio soll bis Anfang Februar einer Neubewertung durch unabhängige Prüfer unterzogen werden soll.

Weil der Anteils-Rückkauf ausgesetzt ist, können sich die 300.000 Anleger derzeit nicht von ihrem Investment trennen. Medienberichten zufolge haben die Fonds-Anteilseigner heuer fast eine Milliarde Euro an Mitteln abgezogen. Wie andere Fonds auch leidet der Grundbesitz-Invest unter Leerständen und rückläufigen Mieten, vor allem in deutsche Gewerbeimmobilien und Büroobjekte.

Die Deutsche Bank will ihrer Immobilientochter DB Real Estate finanziell vorerst aber nicht unter die Arme greifen. Solange die Neubewertung der Immobilien beim Fonds Grundbesitz-Invest nicht abgeschlossen sei, sei ein Eingreifen "kein Thema", sagte ein Sprecher des größten deutschen Bankhauses. Zwar hat die Krise im Markt für Büro- und Geschäftsimmobilien schon einige Fonds in finanzielle Nöte gebracht.

Doch bisher sprangen stets die Mutterhäuser mit einer Finanzspritze ein. Prominentestes Beispiel war die Rettungsaktion der Deka-Bank für ihren offenen Immobilienfonds im Vorjahr. Anders die Deutsche Bank: Hätte sie den Fonds massiv gestützt, hätte dies ihren Gewinn belastet und womöglich auch das diesjährige Renditeziel von 25 Prozent vor Steuern gefährdet. Dieses hat für Konzernchef Josef Ackermann höchste Priorität.

Die Anteile offener Fonds können in beliebiger Menge ge- und verkauft werden. Wollen jedoch so viele Fondsbesitzer gleichzeitig ihre Anteile zurückgeben, dass die Geldmittel des Fonds nicht ausreichen, kann die Rücknahme je nach Vertrag bis zu zwei Jahre ausgesetzt werden.

Immofinanz

Karl Petrikovics, Chef von Österreichs größter börsennotierter Immobiliengesellschaft, Immofinanz, sieht die Situation in Deutschland als "typisches Problem offener Immobilienfonds". Vor zwei Jahren hatten die Fonds massive Zuflüsse, jetzt änderten die Investoren ihre Meinung und wollen aussteigen. Bei einer Immobilien AG (wie der Immofinanz) könne das nicht passieren. Sollte es zu massiven Verkäufen kommen, sinke lediglich der Kurs.

Petrikovics sieht Investments in Deutschland nach wie vor als Chance. Er wäre sogar bereit, dem in Not geratenen deutschen Fonds Immobilien abzukaufen, weil sie günstig zu haben sind. Nach dem Erwerb von 1550 Wohnungen in Berlin sollen bis April weitere 300 Mio. Euro in Deutschland investiert werden. Auf der Einkaufsliste stehen ein Logistik-Portfolio, Büroobjekte und ein Hotel. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.12.2005)