Das hatte noch gefehlt. Nachdem bereits einer der bekanntesten italienischen Banker, Giampietro Fiorani zu Wochenmitte hinter Schloss und Riegel gesetzt und von der EU ein Strafverfahren wegen der Abschottung des Bankenmarktes gegen Italien eingeleitet worden war, hat nun auch der Europäische Gerichtshof entschieden, dass die italienische Regierung verpflichtet ist, die dem Bankensektor seit 1998 gewährten Steuererleichterungen zurückzufordern.

Der Imageverlust des Finanzplatzes Italien, insbesondere des von Zentralbankchef Antonio Fazio beaufsichtigten Kreditgewerbes, hat mit der jüngsten Entwicklung seinen Höhepunkt erreicht.

Dass Fazios einstiger Günstling, der Ex-Chef der Banca Popolare Italiana, verhaftet wurde, lässt den auf Lebzeiten ernannten Notenbankchef allerdings kalt. Obwohl er im Visier der Staatsanwaltschaft steht, die gegen ihn wegen Amtsmissbrauches ermittelt, sagt Fazio, er habe ein reines Gewissen.

Mit den Delikten Fioranis, wie etwa der Unterschlagung von Kundengeldern, habe er nichts zu tun. Fiorani war jahrelang der auserkorene Günstling des "governatore" und hat sich bei diesem mit wertvollen Geschenken eingeschmeichelt. Das sei in Italien so üblich, er habe einen Großteil der Geschenke weitergegeben, bagatellisiert der Zentralbankchef sein Verhalten.

Fazios jahrzehntelange Abschottung des Bankenmarktes wurde spätestens im Sommer suspekt, als er Fiorani bei der Übernahme der Banca Antonveneta begünstigte - obwohl dessen Banca Popolare Italiana nicht die nötige Kapitalausstattung aufwies. Die Vetternwirtschaft um den Zentralbankchef wurde im vollen Ausmaß erst jetzt bekannt.

Tief im Schlamassel stecken neben Bankern auch Politiker aller Farben. Die Demission Fazios ist wohl nur mehr eine Frage der Zeit. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.12.2005)