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Zwei Wochen ist Johann Zwettler (64) noch als Bawag-Vorstandschef im Amt.

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Wien - Zwei Wochen ist Johann Zwettler (64) noch als BAWAG-Vorstandschef im Amt. Bis zum letzten Bankarbeitstag im alten Jahr. Dann übergibt Zwettler, der mit seinem Rücktritt in der Refco-Kreditaffäre die Gewerkschaftsbank aus dem Schussfeld bringen wollte, an seinen Nachfolger Ewald Nowotny (61). Zwettler wird sich in der Folge 2006 aus seinen Aufsichtsratsfunktionen in wichtigen österreichischen Banken und Großunternehmen verabschieden.

Sein Aufsichtsratsmandat in der Austrian Airlines (AUA) werde er im März abgeben, sein Generalratsmandat in der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) zur nächsten Generalversammlung im Frühjahr. Dies kündigte der scheidende BAWAG-Chef am Donnerstag Abend im Gespräch mit Journalisten an.

Auch seinen Sitz im Aufsichtsrat der Kontrollbank werde er abgeben. Noch zu klären seien Mandatsfragen in zwei anderen Firmen: Beim jetzt zum Verkehrsbüro gehörenden Reisebüro Ruefa wurde er eindringlich gebeten zu bleiben. Und bei der VA Tech werde sich die Frage durch die Siemens-Integration von selber klären.

Zwettler war nach seinem Aufsehen erregenden Rücktritt am 17. November von vielen Seiten - allen voran vom Aufsichtratschef der Bank - zum Bleiben ersucht worden. Was hätte ihn vom Rücktritt abhalten können? "Nichts", betonte Zwettler gestern Abend. An diesem 17. November - vor der Sondersitzung des Aufsichtsrates über die Refco-Folgen - habe er zwar mehrere Varianten durchgedacht, sich aber unwiderruflich für die Mandats-Niederlegung per Jahresende entschieden. Wie berichtet zur totalen Überraschung der versammelten Aufsichtsräte.

Politische Verantwortung übernommen

"Man wollte irgend ein Opfer sehen". Und er habe als Vorstandsvorsitzender die politische Verantwortung übernommen. "Um die Bank aus dem Schussfeld zu nehmen". Seine Frau habe er an dem Abend übrigens um 20 Uhr, kurz nach der Information der Medien, von seiner Entscheidung informiert. Ihre Antwort am Telefon: "Ich gratuliere dir zu diesem Schritt", unter Tränen. Gefreut habe er sich dann aber doch, als sofort viele Dutzend Briefe auch aus Politik und Wirtschaft kamen, die ihm Respekt bezeugten.

In den Aufsichtsrat der Bank will keinesfalls wechseln. Und schon gar nicht wollte er einen Beratervertrag mit der Gewerkschaftsbank. Letzteres, so ist er überzeugt, habe einen "unguten Beigeschmack", klinge zu sehr nach "Hintertürl". "Nein, wenn man einen Schritt macht, muss man ihn endgültig tun." Zwettler gab abermals zu, "einfach ist es nicht", Abschied zu nehmen von dem Institut, das heute viertgrößte Bank des Landes ist. 39 Jahre seien nicht einfach so abzuhaken. (APA)