Wien - Ein Teil der aus dem Versöhnungsfonds übrig gebliebenen Gelder wird für ein Namensarchiv von politischen NS-Opfern fließen. Das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands (DÖW) und das Vogelsang-Institut arbeiten mit Unterstützung des Nationalfonds sowie des Bildungs- und Sozialministeriums seit 2002 an diesem Projekt. Mit den nun bewilligten 422.000 Euro von Versöhnungsfonds können sie ihre Dokumentationsarbeit bis 2008 verlängern und zum Abschluss bringen, sagte Stephan Roth vom DÖW auf Anfrage der APA.

Dokumentation

Dokumentiert werden sollen die Namen von Österreichern, die aus politischen Gründen dem NS-Regime zum Opfer gefallen sind. Das sind unter anderem Parteiaktivisten wie etwa Kommunisten, Christlichsoziale und Sozialdemokraten sowie Monarchisten, Zeugen Jehovas, Kärntner Slowenen und Homosexuelle. Erfasst werden neben den österreichischen Staatsbürgern auch Personen, die vor 1938 länger als zehn Jahre in Österreich gelebt haben. Diese zum Opfererfassungsgesetz analoge Definition betreffe viele, die auf Grund der Verhältnisse während der Monarchie staatenlos waren, erklärte Roth. Es handle sich großteils um KZ-Ofper und Opfer der NS-Justiz. Jüdische Opfer sowie Sinti und Roma sind ausgenommen, da sie in gesonderten Dokumentationen bereits erfasst sind.

Projekt verlängert

Das Projekt sei 2002 mit Geldern aus dem Nationalfonds und dem Bildungs- und Sozialministerium angelaufen, habe sich aber als sehr komplex herausgestellt und muss daher verlängert werden, was jetzt mit den Mitteln aus dem Versöhnungsfonds bis 2008 gesichert sei, so Roth. Angaben über die genaue Zahl der Opfer wollte Roth nicht machen. Dem Vernehmen nach dürften es sich um die 10.000 Personen handeln. Das Archiv soll nach seiner Fertigstellung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Geplant sind ein digitales Archiv sowie CD-ROMs und eine schriftliche Publikation.

Der Österreichische Versöhnungsfonds beendet mit Ende des Jahres seine Arbeit. Von den 467 Millionen Euro wurden in den vergangenen fünf Jahren rund 352,6 Millionen ausgezahlt. Mit den verbliebenen Mitteln wurde auch ein Stipendien-Fonds für die Nachkommen der Opfer sowie ein Zukunftsfonds zur Unterstützung konkreter Projekte zur Versöhnung eingerichtet. (APA)