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Die Führungscrew für die österreichische EU-Präsidentschaft: Martin Sajdik, Gregor Woschnagg, Thomas Mayr-Hartig, Verena Nowotny, Hans Winkler, Ursula Plassnik und Wolfgang Schüssel.

Fotos; APA, Reuters, AP, Cremer, Corn.Fotocollage: Lux
Um die Maschinerie der EU-Präsidentschaft ohne Stocken funktionieren zu lassen, vertraut Kanzler Schüssel auf ein EU-Team aus seiner Zeit als Außenminister. Möglichkeiten zum Glänzen gibt es wenige.

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Man kennt sich, man versteht sich. Mitunter auch blind. Die Köpfe der österreichischen EU-Präsidentschaft arbeiten schon seit Jahren zusammen, sind in verschiedenen Funktionen miteinander groß geworden - im Außenamt. Dort liegt auch die Schaltzentrale der Maschinerie EU-Vorsitz: Alle Fäden laufen am Wiener Minoritenplatz 8 zusammen.

Der engste EU-Führungszirkel um den Bundeskanzler rekrutiert sich aus Zeiten, in denen Wolfgang Schüssel Chef des Hauses war (1995-2000): Ursula Plassnik, heute Außenministerin, organisierte damals sein Kabinett. Hans Winkler, heute EU-Staatssekretär, leitete das Völkerrechtsbüro. Der nunmehrige Vertreter Österreichs bei der EU in Brüssel, Gregor Woschnagg, führte die Integrationsabteilung, Martin Sajdik die Erweiterungsabteilung im Außenamt. Auch Thomas Mayr-Harting diente Schüssel kurz im Kabinett. Und Verena Nowotny ist es schon Jahre gewohnt, des Kanzlers außenpolitische Stimme zu sein.

Bedingung Loyalität

Nowotny ist es auch, die nun die Tonart für den kommenden Vorsitz vorgibt: Es werde "eine Symbiose unter Dreien" werden. Vom Kanzler, der Außenministerin und Winkler. Wie symbiotisch es auch zugehen mag - klar bleibt, wer in dieser Gemeinschaft Koch und wer Kellner ist. Das hat Schüssel etwa bei seinem von langer Hand geplanten Auftritt beim Türkei-Sondergipfel im September gezeigt. Wer nach der besonderen Strategie dahinter fragte, bekam im Außenamt bloß zu hören: "Weil's der Kanzler eben so will." Also nahmen die Kellner die Bestellungen auf und Schüssel gab die Portionen aus.

So ähnlich wird es während der Präsidentschaft funktionieren. War doch die absolute Loyalität Plassniks einer der Gründe, warum Schüssel sie zur Außenministerin berief - und dem langjährigen Berufsbeamten Winkler ist es ohnehin zur zweiten Natur geworden, die Menüvorschläge anderer Köche zu garnieren und zu servieren.

Nur ein Rezept

Plassnik und Winkler führen Arbeitsteams an, Woschnagg koordiniert aus Brüssel - immer in der Gewissheit, dass der andere nicht nach anderen Rezepten kocht. "Die Vertrauensbasis zwischen Plassnik, Woschnagg und Winkler ist über Jahre gewachsen", schildert ein ÖVP-Stratege die personelle Mixtur, die Österreich ohne Ausrutscher durch die Präsidentschaft führen soll.

Dass Schüssel dabei unangefochten die Rolle des Chefkochs besetzt, heißt nicht, dass er die Menüvorschläge nicht mit dem EU-Team bespricht. Unterredungen mit der analytischen Perfektionistin Plassnik gehören ohnehin zur Kanzler-Routine, auch der schillernde Kommunikator und Darsteller Woschnagg telefoniert regelmäßig mit Schüssel und Plassnik.

Winkler wiederum hat auch die Funktion, an der Stelle Plassniks im Flugzeug und bei EU-Treffen zu sitzen. "Plassnik hätte sich sonst zerspragelt", bezeichnet ein ÖVP-Stratege einen der Gründe, warum die Regierung für die Präsidentschaft um den EU-Staatssekretär aufgestockt wurde.

Vorbild Dänemark

Das Team hat bisherige EU-Präsidentschaften genau auf Stärken und Schwächen analysiert. Organisatorisch und logistisch will man sich vor allem bei den allseits als hocheffizient gelobten Dänen einiges abschauen - vor allem für die zwölf informellen Ministerräte und die Gipfel mit den USA und Lateinamerika, die in Österreich stattfinden.

Der informelle Startschuss für die inhaltliche Arbeit im Präsidentenamt ist der traditionelle Besuch der EU-Kommission: Am 9. Jänner reisen die Kommissare zur einer Arbeitssitzung mit der österreichischen Regierung aus Brüssel nach Wien. Danach kommt viel Routine - garniert immer wieder mit halb inhaltlichen, kameratauglichen Events wie dem "Sound of Europe" Mitte Jänner in Salzburg.

Trotz dieser Versuche der Inszenierung: Auf dem Menü stehen meist nicht glamoröse Galadiners, Koch und Kellner haben oft Routinekost zu servieren. Selbst bei einer der heikelsten inhaltlichen Fragen, der Verfassung, kann Schüssel nicht nach Belieben walten, sondern muss, als Chefkoch Europas, die Wünsche der 24 anderen Köche koordinieren - und auf eine Speisekarte bringen. (DER STANDARD, Printausgabe 19.12.2005)