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Organisierte Lüsternheit in Deutschland: "Verrichtungsboxen" sollen den Anstieg der Prostitution bei der Fußball-WM 2006 in geordnete Bahnen lenken.

Foto: dpa
Bis zu 40.000 zusätzliche Prosituierte werden 2006 im Umfeld der WM in Deutschland erwartet. Und dieser Drang nach dem Stürmen wird bei unseren nördlichen Nachbarn ordentlich organisiert. Vorbild ist Köln. Dort wurde – wiederum nach niederländischem Vorbild – im Industrieviertel ein „Areal von der Größe eines Fußballfeldes abgezäunt“ und darauf eine „Boxenanlage“ für Autos errichtet. Auf dass dort Prostituierte und ihre Kunden ungestörter ihre Geschäfte verrichten mögen.

Amtsdeutscher Name

Praktischerweise haben die Deutschen für diese Anlage gleich einen einen Ordnung verheißenden amtsdeutschen Namen mit erfunden und sie „Verrichtungsbox“ genannt. Da aber das älteste Gewerbe der Welt mit Sicherheit nicht in Deutschland erfunden wurde – und ein Ansteigen der lüsternen Kundenfrequenz bei Großereignissen ein internationales Phänomen ist, stellt sich in der Folge die Frage, wie damit nur zwei Jahre später bei der Fußball Europameisterschaft umgegangen wird – und wie der Austragungsort Wien sich dafür rüstet.

Nun ist nach einer getuschelten und peinlich anonymen Umfrage in den Gängen des Wiener Rathauses zunächst einmal damit zu rechnen, dass die Kommune für die Gestaltung der Boxen jedenfalls einen Architekturwettbewerb durchführen würde. Eine weitere spontane Reaktion – „Wozu Boxen? Mir ham ja Bratislava“ – wurde unter dem Hinweis auf drohende diplomatische Komplikationen zurückgewiesen.

Nicht kompatibel

Weiters stellte sich heraus, dass der Ausdruck „Verrichtungsbox“ wohl kaum mit der Wiener Mentalität kompatibel wäre und eher abschreckend denn verlockend klänge. Erste Gegenvorschläge ließen nicht lange auf sich warten. Dem Ausdruck „Puderhütten“ wurden nur wenige Chancen eingeräumt, wohingegen der Bezeichnung „Würstel-Stand“ ein gewisser Charme zugesprochen wurde. Allerdings könnten Verwechslungen mit einer anderen Wiener Institution drohen.

Wahrzeichen mit Boxen

Praktischerweise wurde bei dieser inoffiziellen Tuschelumfrage auch darauf hingewiesen, dass es ja bereits in unmittelbarer Nähe zum Happel-Stadion eine bestehende Infrastruktur gebe – ein Wahrzeichen mit Boxen, das bei dieser Gelegenheit anderwärtig genützt werden könne. Aber auch die Umwandlung des Riesenrades in ein „Riesen-Rammel-Rad“ dürfte nur wenig Chancen auf Umsetzbarkeit haben. Da schiene eher noch die Nutzung der Geisterbahn als „Darkroom“ möglich.

All diese Spekulationen sind nach der ersten offiziellen Reaktion zum Thema ohnehin hinfällig: „In unserer Stadt wird es keine Großbordelle oder Sexverrichtungsboxen geben“, entschied Frauenstadträtin Sonja Wehsely (SP). (DER STANDARD-Printausgabe 20.12.2005)