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Foto: Reuters/Blake
Die wichtig Flexibilität im Geschäftsleben ist, hat das Blatt, das den Kardinal zu seinen Kolumnisten zählen darf, in den letzten Tagen mit seiner Berichterstattung über das Gewissen des kalifornischen Gouverneurs steirischer Fechsung bewiesen. Begnadigt Schwarzenegger vierfachen Mörder? fragte am Montag voriger Woche der allzeit verlässliche USA-Korrespondent Hans Janitschek noch hoffnungsfroh und unterstrich seine Zuversicht, den Liebling der "Krone" auch künftig österreichkompatibel zu erhalten, mit der Einschätzung: Letzten Meldungen zufolge will der Steirer diesmal aber Milde walten lassen.

Dafür konnte er zwar keine Quelle der letzten Meldungen, aber Gründe nennen. Schon zweimal musste "Arnie" über das Schicksal von zum Tode verurteilten Schwerverbrechern entscheiden. In beiden Fällen lehnte er die Begnadigung ab. Aber seither hat der steirische Republikaner einen dramatischen Kurswechsel vollzogen und, wie berichtet, Frieden mit den Demokraten geschlossen, die gegen die Todesstrafe sind.

Dabei hat der USA-Korrespondent nur leider den nächsten dramatischen Kurswechsel des steirischen Republikaners übersehen, der den Frieden mit den Demokraten vorübergehend und das Leben von Stanley "Tookie" Williams definitiv beeinträchtigte. Es war die wohl schwerste Entscheidung seines Lebens, und Arnold Schwarzenegger hat sie sich sicher nicht leicht gemacht, versuchte sich die "Krone" einen Tag später, diesmal lieber ohne Hans Janitschek einzuschalten, mit dem Hinweis auf die schwerste Entscheidung, die er sich nicht leicht gemacht hat, als Retterin von Arnies Ruf und dennoch Verteidigerin der Zivilisation: Doch er entschied in einer Weise, die in Österreich sicher kaum auf Verständnis stößt. Sicher kaum!

Wieder einen Tag später, am Mittwoch, konnte selbst die "Krone" nicht verheimlichen, dass es massive Kritik an Arnold in der steirischen Heimat gab, was ihr einen neidgelb unterlegten Kasten angemessen erscheinen ließ. Unter dem schädlichen Einfluss dieser Kritik wagte es ein Redakteur, die USA auf eine gewisse Inkonsequenz aufmerksam zu machen. Die US-Verfassung verbietet "grausame und ungewöhnliche Bestrafung". Hinrichtung auf schnelle Art ist damit ausdrücklich nicht gemeint. 24 Jahre in der Todeszelle zu sitzen, wie der jüngste Fall, ist aber sehr wohl eine grausame Bestrafung.

Statt daraus logisch abzuleiten, man hätte Williams durchaus verfassungsmäßig zum Tode befördern, nicht aber 24 Jahre lang einsperren dürfen, gelangte der Redakteur dahin: Die Todesstrafe in den USA ist daher verfassungswidrig; abgesehen davon, dass sie überhaupt keinen Sinn macht.

Die Verwirrung, die diese unter Humanismusverdacht stehende Äußerung in manchen "Krone"-Konsumenten erzeugt haben mag, löste folgenden Tags der Windreimer auf. Um seine Amis nicht zu kränken,/ lässt Arnie schweren Herzens henken./ Doch rufen dafür "Pfui!" und "Buh!"/ ihm manche seiner Landsleut zu./ (Besonders die missgönnt schon immer/ ihm jeglichen Erfolges Schimmer.)

Nur Neidhammel sind gegen die Todesstrafe, war von da an die Losung. Und auf der Leserbriefseite brach sich die redaktionelle Linie Bahn.

Schwächen ließ noch ein Briefschreiber erkennen, der Arnies Standhaftigkeit gegen Gnadengesuche als bedenkliches Symptom einer moralisch-ethischen Minderbegabung bezeichnete und erinnerte: Ja, da musste "Arnie" eben seine Pflicht tun, wie viele andere, die ihre "Pflicht getan" haben und stolz darauf waren, "dabei anständig" geblieben zu sein - in einem "anderen Rechtssystem".

Ein anderer, der sich als wahrlich kein Anhänger der Todesstrafe deklarierte, fragte sich aber schon, warum sollte ihn der Gouverneur begnadigen, wenn alle Tatsachen gegen ihn, den verurteilten Mörder, sprechen. Und überhaupt, was die Proteste betrifft, diese Aktionen machen den hingerichteten Vierfach-Mörder auch nicht wieder lebendig. Eh wahr! Weshalb ein dritter bündig befand: Warum regt man sich so auf? Das amerikanische Gesetz ist vom Volk verabschiedet und gehört demnach vollzogen. So viel Treue zum amerikanischen Gesetz bei einem Österreicher, das macht uns stolz!

Damit war der Bann falsch verstandener Humanität gebrochen. Am Freitag erschien die "Krone" mit einem moralischen Spagat als Aufmacher. Trotz eines eindeutigen Votums der Österreicher gegen die Todesstrafe: Mehrheit hat Verständnis für Arnold! Und wo die Mehrheit ist, dort ist auch die "Krone". Um daran nicht den geringsten Zweifel aufkommen zu lassen, erschien die Leserbrief-Seite mit dem Übertitel Fairness für Arnold Schwarzenegger. Folglich durfte seither schon einer Nein zur Todesstrafe sagen, aber die Blattlinie ist klar. Haben die SPÖ, Grünen und KPÖ in der Steiermark nichts anderes zu tun, als sich über das Geschehen in Amerika aufzuregen, dann gibt es dagegen ein steirisches Sprichwort: Was kratzt es die (,steirische') Eiche, wenn sich die Säue an ihr reiben? Womit das Problem der Todesstrafe geklärt wäre. (DER STANDARD; Printausgabe, 20.12.2005)