Munster - Aus der Not eine Tugend machen, das wollen die Veranstalter der Expo 2000 mit dem Projekt: Seit mehr als 80 Jahren schlummern hochgiftige Kampfstoffe auf dem Gelände des Truppenübungsplatzes Munster-Nord. Vor drei Jahren wurde ein besonderes Sanierungsprogramm ins Leben gerufen: Die Arbeitsgemeinschaft für das weltweite Projekt der Expo 2000 in Munster , kurz Arge genannt, – dort soll gezeigt werden, wie Gewässer und Böden, die stark kontaminiert sind, umwelt- und ressourcenschonend saniert werden können. Das Gelände ist so stark vergiftet, dass der Platz für jegliche Nutzung gesperrt wurde. Das Motto der Expo 2000 "Mensch, Natur und Technik miteinander zu versöhnen" soll auch bei diesem Projekt im Vordergrund stehen. Dabei werden die Mitglieder des Verbundes dazu beitragen, die Spitzenstellung deutscher Unternehmen in der Umwelttechnik darzustellen. Unter dem Motto "Technologie für die Umwelt" stellen Unternehmen, Institute und Hochschulen verschiedene Verfahren zum Schutz und zur Sanierung der Natur vor. Ein Teil des Projekts geht dabei auf die Geschichte der chemischen Kampfstoffe in Munster 1916 bis 2000 ein. Historie: Der Truppenübungsplatz blickt auf eine Reihe unglücklicher Geschehnisse zurück: Bereits 1916 wurden dort chemische Waffen produziert. 1919 explodierte ein Güterzug mit Munition und Gasbehältern. In einer Kettenreaktion wurden fast alle Anlagen zerstört. Rund 1,5 Millionen Gasgranaten und Minen detonierten und vergifteten weite Teile des Gebietes. Bis 1925 wurden auf dem Gelände noch andere nicht detonierte Munition gesprengt oder vergraben. Nach der Machtübernahme durch die Nazis entstanden weitere neue Fabrikations- und Versuchsanlagen für chemische Kampfstoffe. Nach dem Krieg wurden die technischen Vorrichtungen durch die Briten demontiert. Damals wurden Tausende von Giftgasgranaten vergraben und über 4.000 Tonnen Kampfstoff in offenen Wannen verbrannt. 40.000 Tonnen vergiftetes Erdreich wurden von der deutschen Bundeswehr abgetragen und warten auf ihre Sanierung. In einer 1975 errichteten Kampfmittelbeseitigungsanlage — der einzigen Einrichtung dieser Art weltweit – kann das Aufschneiden und Zerlegen von Munition ferngesteuert überwacht werden. Am Wehrwissenschaftlichen Institut für Schutztechnologie (Wis) erforschen fast 300 Mitarbeiter verschiedenste Maßnahmen, um Kampfstoffe erkennen, entgiften und vernichten zu können. Dabei werden in einer speziellen Verbrennungsanlage tausende Tonnen vergifteter Materialien, umweltfreundlich vernichtet. Seit 1995 gibt es eine spezielle Anlage, in der auch belastete Böden gewaschen werden können. Dabei wird das abgetragene Erdreich gewälzt, gerührt und gewaschen. Mehr als zwei Drittel des eingebrachten Materials verlassen diesen Bereich als gereinigter Sand und Kies. Der übrig gebliebene Schlamm mit den konzentrierten Schadstoffen wird eingedickt, entwässert und in die so genannte Plasmakammer weiterbefördert. Ein Brenner erzeugt dort einen Lichtbogen, der dazu beiträgt, die Schadstoffe vollständig zu zerstören. (pte)