Seltsam, es passiert immer öfter. Man legt sich hin, platziert die Fernsteuerung gut in der Hand, zappt durch die Kabelgegend und findet nichts. Ja, und dann bleibt man doch tatsächlich beim Vierten hängen, wo man doch früher eher einfach abgedreht hätte, nachdem man vergeblich versucht hatte, kurz bei Billard auf Eurosport Ruhe zu finden. Und erst recht nervös wurde.

Das etwas zu oft bemühte "Wir sind Hollywood", mit dem der Sender wirbt, ist zwar entnervend – erinnert an den seltsamen Spot "Du bist Deutschland". Und natürlich darf nicht gerade jene Serie laufen, in der ein schwarzes Auto mit jenem seltsamen Mann spricht, der von seiner üblen Nestfrisur erst Abschied nahm, als er begann, an US-Stränden hinter Blondinen herzulaufen.

Exil für TV-Emigranten

Dennoch: Abgesehen davon wird das Vierte mit seinen alten Serien und Filmen aus einer Zeit, da Kojak gerade noch nicht aus seinem Anzug platzte, langsam zu einer Art Parkplatz für Enttäuschte, zum Exil für TV-Emigranten. Wirklich hinterfragen wollen wir das nicht. Bei diesem Nostalgiesender hängen zu bleiben ist womöglich eine Form von Regression. Doch auch im vollen Bewusstsein, dass das Vierte nicht die Lösung all unserer TV-Probleme sein kann, ist es doch sehr angenehm zu wissen, dass man sich dorthin zurückziehen kann, wenn einen die Gegenwart wieder enttäuscht hat.

Auf eine geheimnisvolle Art und Weise bereitet es ja ein angenehmes Gefühl: Man lacht über die weiten Jeans, die dicken Krawatten, genieß es, wenn der Glatzkopf jede drei Minuten "entzückend!" oder "ist es wahr!" ruft, wundert sich über sich selbst. Und bleibt doch dran. (tos/DER STANDARD, Printausgabe, 21.12.2005)