Teheran/Wien - Vertreter der EU und des Iran führen am heutigen Mittwoch in Wien Gespräche über die Wiederaufnahme ihrer im August abgebrochenen Atomverhandlungen. Der Westen will verhindern, dass der Iran hoch angereichertes Uran zur Herstellung von Atomwaffen produziert. Erste Medienberichte vom Sommer 2002 über verdächtige atomare Aktivitäten im Iran hatten sich zu einer Krise ausgeweitet. Eine Chronologie:

Februar bis Mai 2003: Mitarbeiter der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) inspizieren im Iran Nuklearanlagen. Besonders die USA hatten Teheran vorgeworfen, an einem geheimen Atomwaffenprogramm zu arbeiten.

Juni 2003: IAEO-Chef Mohammed ElBaradei stellt in einem Bericht fest, der Iran habe "bestimmte Materialien und Aktivitäten" verschwiegen. Die IAEO verlangt die Ratifizierung eines Zusatzprotokolls zum Sperrvertrag für ungehinderte Inspektionen.

Oktober 2003: Bei einem Besuch der Außenminister Frankreichs, Deutschlands und Großbritanniens macht Teheran Zugeständnisse: Anwendung und Unterzeichnung des Zusatzprotokolls, Stopp der Aktivitäten zur Urananreicherung und Wiederaufbereitung.

November 2003: Die IAEO berichtet, der Iran habe die Produktion von waffenfähigem Plutonium zugegeben. Es gebe jedoch keinen Hinweis auf den Bau von Nuklearwaffen.

Dezember 2003: Der Iran unterzeichnet in Wien das Zusatzprotokoll.

Februar 2004: Laut Medienberichten hat der pakistanische Nuklearwissenschaftler Abdul Qadeer Khan auch den Iran mit Atomwaffentechnologie versorgt.

März 2004: Die IAEO lobt die Zusammenarbeit mit Teheran. Andererseits wird die Führung in Teheran aufgefordert, bis Juni alle Pläne und Informationen ihres Atomprogramms offen zu legen.

Juni 2004: Ein Bericht des Iran löst in den USA Kritik aus. Das US-Außenministerium spricht von "Leugnung und Täuschung". Auch die IAEO kritisiert widersprüchliche Angaben.

August 2004: Der Iran stellt die Übereinkunft vom Oktober 2003 mit den drei EU-Ländern in Frage.

September 2004: US-Außenminister Colin Powell sagt, das Atomprogramm sei eine wachsende Bedrohung, und verlangt internationale Sanktionen.

April 2005: Der Iran kündigt die Wiederaufnahme der Urankonversion, Vorstufe zur Urananreicherung, in der Isfahan-Anlage an.

Mai 2005: Das EU-"Trio" Frankreich, Deutschland und Großbritannien warnt Teheran vor den verhängnisvollen Folgen eines Abbruchs des Verhandlungsprozesses.

Juli 2005: Der scheidende Präsident Mohammad Khatami bekräftigt das Recht des Iran auf friedliche Atomnutzung, auf das Teheran ungeachtet aller EU-Zugeständnisse nicht verzichten werde.

August 2005: Die EU droht Teheran mit einer Befassung des UNO-Sicherheitsrats.

November 2005: Russisch-iranische Gespräche über Gemeinschaftsunternehmen zur Produktion atomarer Brennstoffe. Teheran weist EU-Forderungen nach Aufgabe der Urananreicherung als Bedingung für Wiederaufnahme der Verhandlungen ab. Teheran will keine nicht angekündigten IAEO-Kontrollen seiner Atomanlagen zulassen, sollte der Konflikt an den UNO-Sicherheitsrat überwiesen werden; EU und USA lenken ein.

Dezember 2005 : Iran will Urananreicherung im Inland unter internationaler Beteiligung vorschlagen. (APA/dpa)