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Foto: APA/Artinger
Wenn Österreichs derzeit bekanntester Manager, Andreas Treichl von der Erste Bank, zum Wiener Meinl am Graben, gleich gegenüber seinem Büro, zum Essen geht, verlässt er das edle Etablissement selten ohne - Mistsack. Nach dem Zahlen bittet er um ein paar der orangen Meinl-Papiertragetaschen; "Das sind die besten Mistsäcke, die es gibt", pflegt der bestbezahlte Manager Österreichs das mit einem Augenzwinkern zu erklären.

Unorthodoxes Verhalten, eine große Portion an Ehrgeiz und eine noch viel größere an Mut für kostspielige Deals, die er mit dem "Schein der Leichtigkeit" verbrämt (ein Banker), sind zu Treichls Erfolgsrezeptur geworden.

Acht Jahre nach dem Börsengang der Erste Bank hat der 53-jährige Volkswirt mit dem Kauf der rumänischen Großbank BCR um 3,75 Milliarden Euro - aus heutiger Sicht - sein Meisterstück abgeliefert. Ab sofort hat die Erste Bank, die 1997 nur in Österreich aktiv war und 600.000 Kunden hatte, fast 17 Millionen Kunden, den größten Teil davon in Ost- und Südosteuropa.

Schritt für Schritt hat sich der Ex-Bohemien, der in Bars und bei Festen gern mal in die Klaviertasten griff, und dem heute die internationalen Kapitalmärkte ihr Herz schenken, sein Ziel erreicht: Die verstaubte Sparkassenbank zu einem internationalen, profitablen Institut umzubauen.

Begonnen hatte das nach einem Flop: Die bürgerlichen Banker (Treichl hat einst für VP-Politiker Erhard Busek wahlgekämpft und später als Finanzreferent die ÖVP saniert) waren mit dem Versuch, die Creditanstalt zu übernehmen, gescheitert. Die CA landete im roten Reich des Gerhard Randa. Mit ihm verbindet Treichl, der seine Karriere in den USA, bei Citibank und Chase Manhattan begonnen hatte, bis heute eine gepflegte berufliche Feindschaft.

Zurückgeworfen auf seine Sparkassen befriedete der gewiefte Stratege den traditionell zerstrittenen Sektor. Gamsjäger Treichl brach ein Tabu, gab Erste-Filialen an die Sparkassen in den Ländern ab, sicherte sich im Gegenzug Beteiligungen und Durchgriffsrechte. 1997 kaufte die Erste Bank die GiroCredit aus der AVZ heraus - und sicherte danach ihr Retail-Geschäft in Österreich ab. Erst spät, 2000, kaufte sich Treichl, der sich voll aufs Kerngeschäft konzentriert, in Osteuropa ein.

Aber das mit vollem Karacho. Innerhalb von fünf Jahren ließ er rund 2,5 Milliarden Euro für Zukäufe springen. Er zahlte stolze Preise, feuerte im Osten eine Menge an Leuten - und bewerkstelligte die Integration mit Bravour.

Mittlerweile hat der mit einer Journalistin verheiratete Vater dreier Söhne sogar mit seinem schwierigsten Konkurrenten Frieden gemacht. Mit seinem Vater, Ex-CA-Chef Heinrich Treichl (92). Sogar er zollt Andreas Treichl heute allen Respekt: "Mein Applaus ist ihm sicher." (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.12.2005)