Frankfurt - In der Konzernzentrale der Deutschen Bank gab es am Mittwoch nur ein Thema: Der Chef muss wieder vor Gericht. Unweit davon, an der Börse, blieb es jedoch ruhig. Die Aktionäre reagierten gelassen auf den Spruch des BGH.

Der Kurs der Aktie blieb nahezu unverändert mit 0,7 Prozent im Plus bei 82,38 Euro. Erfreulich für die Deutsche Bank ist auch, dass sie gerade von der Fachzeitschrift International Financing Review als "Bank des Jahres" ausgezeichnet wurde.

Doch hinter der glänzenden Fassade gärt es seit längerem. Und immer wieder verbindet sich der Unmut mit Josef Ackermann, dem 57-jährigen Schweizer Chef des Geldhauses. Während des Mannesmann-Prozesses im Jahr 2004 waren seine Auftritte im Gerichtssaal nicht eben dem Image des Hauses dienlich.

Unvergessen sind sein siegesbewusstes Lächeln und seine zum "Victory-Zeichen" gespreizten Finger beim Prozessauftakt - was von den Deutschen als arrogante Provokation gewertet wurde. Später hat Ackermann erklärt, er habe nur Popstar Michael Jackson imitiert - genützt hat ihm das allerdings nichts.

"Wer Erfolg hat, kommt vor Gericht"

Wenig später gewährte er Einblicke in seinen Gemütszustand und machte sich wieder unbeliebt. Frustriert vom Mannesmann-Prozess klagte Ackermann: "Dies (Deutschland, Anm.) ist das einzige Land, in dem diejenigen, die Erfolg haben und Werte schaffen, deswegen vor Gericht gestellt werden."

Immer wieder wurde im Laufe des Prozesses deutlich, dass Ackermann die Aufregung um die hohen Zahlungen für die Mannesmänner nicht versteht, weil in seiner Liga Jahresgehälter von mehreren Millionen Euro Usus sind. Er selbst bekam 2004 zehn Millionen Euro.

Es gibt von Ackermann aber auch Positives zu berichten: Sein Haus ist die einzige deutsche Bank, die weltweit als Global Player mitspielen kann, zudem hat die Bank 2005 sehr erfolgreich gewirtschaftet.

Aber da sind wir schon bei der nächsten Panne: Als Ackermann den Milliarden-Gewinn Anfang 2005 verkündete, ließ er im nahezu gleichen Atemzug wissen, dass mehrere tausend Stellen abgebaut werden. Die Sozialdemokraten war daraufhin so wütend, dass einige Politiker zum Boykott der Deutschen Bank aufriefen.

Proteste gegen Fonds-Schließung

Aktuell belasten Ackermann - abgesehen vom neuen Prozess - die scharfen Proteste gegen die Schließung des vor Verlusten stehenden Fonds Grundbesitz-Invest. Dass eine Bank Anlegergelder quasi einfach sperrt, hat es in Deutschland bis dato noch nicht gegeben.

Aktionärsschützer finden, dass die Zeit für einen Rücktritt Ackermanns jetzt reif ist. "Die Deutsche Bank stolpert von einem Imageproblem zum nächsten, das kann so nicht weitergehen", sagt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.

Ackermann ließ durch seinen Sprecher ausrichten, der "große Zuspruch und die enorme Unterstützung", die er von Kunden und Mitarbeitern erfahren habe, bestärkten ihn in der Absicht, seinen Job weiter zu machen. (bau, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.12.2005)