New York - Seit zwei Jahren steigen die Ölpreise, doch die Weltwirtschaft hat mehr Standfestigkeit bewiesen als vielfach befürchtet. Zwar hat sich das globale Wachstum 2005 um etwa 0,6 Prozentpunkte abgeschwächt. Für 2006 wird aber eine Belebung der Konjunktur erwartet.

Das globale Wachstum beläuft sich nach vorläufigen Daten der Weltbank in diesem Jahr auf etwa 3,2 Prozent nach 3,8 Prozent in 2004. "Die hohen Ölpreise haben die Einkünfte der Ölimportländer beschnitten", heißt es im jüngsten Weltbank-Bericht. "Aber die Expansion blieb kräftig, zum Teil wegen günstiger Bedingungen an den Finanzmärkten, darunter niedrige Inflationsraten und Zinsen."

Mehr Wachstum 2007

Für 2006 erwartet die Weltbank bei einer Fortdauer dieser Bedingungen ein Wachstum auf dem gleichen Niveau wie in diesem Jahr, 2007 soll die Weltkonjunktur dann wieder etwas mehr Fahrt aufnehmen.

Die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) bescheinigt den 30 Industrieländern, dass sie den Ölpreis- wie den Hurrikan-Schock gut verkraftet haben. Für diese wird daher ein Wachstum von 2,7 Prozent in diesem und 2,9 Prozent im nächsten Jahr erwartet.

Etwas weniger ist es in den zwölf Ländern der Euro-Gruppe mit 1,4 Prozent in diesem und 2,1 Prozent im nächsten Jahr. Von China und anderen nicht der OECD angehörenden asiatischen Ländern erwartet die Organisation im kommenden Jahr weiterhin belebende Impulse für die Volkswirtschaft.

Dabei hoffen die Handelspartner Chinas auf eine allmähliche Aufwertung des Yuans. Das niedrige Niveau dieser Währung hat China auf dem Weltmarkt massive Vorteile verschafft, die in einem immensen Defizit der USA zum Ausdruck kommen: Dieses stieg im Handel mit China in diesem Jahr von 162 Mrd. auf schätzungsweise 200 Mrd. Dollar.

USA: 3,6 Prozent

Die Wirtschaftswissenschaftler in den USA rechnen für 2005 mit einer Steigerung des Sozialprodukts von 3,6 Prozent und erwarten für 2006 eine leichte Abschwächung auf 3,3 Prozent. 2004 waren es noch 4,2 Prozent gewesen.

Die US-Notenbank wird wohl 2006 noch mindestens ein Mal ihren Leitzins heraufsetzen, um Inflationsgefahren vorzubeugen. Seit Juni 2004 wurde dieser Zinssatz für die kurzfristige Geldbeschaffung der Geschäftsbanken in 13 Schritten von 1,0 auf 4,25 Prozent angehoben - das ist das höchste Zinsniveau seit mehr als vier Jahren.

Öl-Exporteure sahnen ab

Die Verteuerung des Rohöls hat den Exporteuren in diesem Jahr viel Geld in die Taschen gespült. Der höchste Preis wurde am 30. August - einen Tag nach dem Hurrikan "Katrina" - mit 70,85 Dollar je Barrel (das Fass zu 159 Litern) erreicht. Inzwischen liegen die Preise wieder bei Werten um 60 Dollar, was aber immer noch vergleichsweise hoch ist.

Die höhere Ölrechnung bedeutet in den Bilanzen der Volkswirte der OECD-Länder, dass in diesem Jahr Mehrkosten von etwa 300 Mrd. Dollar an die Ölförderländer transferiert wurden. Ein großer Teil dieser Summe kam in Form einer höheren Nachfrage nach Fertigprodukten wieder der Weltwirtschaft zugute. "Deswegen scheint eine fortgesetzte Expansion plausibel zu sein", sagt der Chefvolkswirt der OECD, Jean-Philippe Cotis.

Für die Entwicklungsländer sagt die Weltbank "ein sehr robustes Wachstum" von 5,9 Prozent in diesem und 5,7 Prozent im nächsten Jahr voraus. In diesen Zahlen sind aber auch die 2006-Prognosen der Boom-Länder China (9,0 Prozent) und Indien (7,5 Prozent) enthalten. In den meisten anderen Entwicklungsländern sehen die Aussichten weniger gut aus, so dass sich die Lebenssituation der Armen in weiten Teilen Afrikas und Lateinamerikas kaum ändern wird. (APA/AP)